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Freitag, 21. Dezember 2012

Die Richtschnur der christlichen Klugheit

Fortsetzung von hier

"Richtschnur der christlichen Klugheit ist nicht die Vernunft allein, sondern die durch den Glauben erleuchtete Vernunft. Ihren edelsten Ausdruck findet sie in der Bergpredigt  daselbst ergänzt und vervollkommnet der göttliche Meister das alte Gesetz und befreit es zugleich von den falschen Auslegungen der jüdischen Schriftgelehrten.

Die übernatürliche Klugheit schöpft demnach Licht und Eingebungen aus den der Welt diametral entgegengesetzten Vorschriften des Evangeliums  Zur Anwendung auf die täglichen Handlungen schaut sie auf die Beispiele der Heiligen, die dem Evangelium entsprechend lebten, und in zweifelhaften Fällen lässt sie sich von den Lehren der unfehlbaren Kirche leiten. So gelangen wir zur moralischen Sicherheit, uns nie zu verirren.

Übrigens sind die von ihr angewendeten Mittel nicht nur ehrbar, sondern auch übernatürlich. Es sind Gebet und Sakramente, die unsere Kräfte zur Ausübung des Guten verdoppeln und uns so bessere Erfolge erzielen lassen.

Das wird noch mehr einleuchten bei Erörterung der Bestandteile dieser Tugend."

wird fortgesetzt 
Aus: Tranquerey, Grundriss der aszetischen und mystischen Theologie

Samstag, 15. Dezember 2012

Der Sitz der christlichen Klugheit im Verstand

Fortsetzung von hier

Diese Tugend hat im eigentlichen Sinn ihren Sitz im Verstande, denn sie beurteilt und unterscheidet, was in jedem besonderen Falle zur Erreichung unseres Zieles geeigneter ist. Sie ist angewandte Wissenschaft. 

Zur Kenntnis der Grundsätze fügt sie die der positiven Wirklichkeit, in der wir unser Leben einrichten sollen. Trotzdem ist auch der Wille beteiligt. 
Er befiehlt dem Verstande, sich den Erwägungen von Motiven und Gründen zuzuwenden, um dann eine richtige Auswahl zu treffen und später die Ausführung der auf diese Weise gewählten Mittel anordnen zu können. 

wird fortgesetzt
Aus: Tranquerey, Grundriss der aszetischen und mystischen Theologie


Aus dem Gesagten ergibt sich, das man zur Anwendung dieser christlichen Klugheit differenziert und logisch denken wollen muss. Wie schon der ehrwürdige Bischof Fulton Sheen in den 50er Jahren beklagte, wollen das die meisten Menschen leider nicht. 

Daher kommt es, dass es so einfach ist, allzu viele - von ihnen selbst unbemerkt - mit Schlagworten zu manipulieren.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Die christliche Klugheit

Fortsetzung von hier
B) Es handelt sich also hierbei um die christliche Klugheit. Sie beruht auf den Grundsätzen des Glaubens und führt alles auf das übernatürliche Ziel zurück, auf Gott, hienieden erkannt und geliebt, im Himmel in seinem Besitz. 
Wohl befasst sich die Klugheit nicht unmittelbar mit diesem, ihr vom Glauben vorgesteckten Ziele. Stets hat sie jedoch dasselbe vor Augen und in seinem Lichte strebt sie die besten Mittel an, damit alle unsere Handlungen auf dieses Ziel gerichtet seien. 

Sie beschäftigt sich daher mit den Einzelheiten unseres Lebens. 

Sie ordnet unsere Gedanken, damit sie sich nicht von Gott wegverirren. Sie regelt unsere Absichten, um alles davon fernzuhalten, was deren Reinheit betrüben könnte. Sie ordnet unsere Neigungen und Gefühle sowie unsere Willensäußerungen, um sie an Gott zu fesseln. 
Sie ordnet selbst unsere äußeren Akte und die Ausführung unserer Vorsätze, um sie auf unser letztes Ziel zu richten.

wird fortgesetzt


Dienstag, 11. Dezember 2012

Die vier Kardinaltugenden – 1. Die Klugheit

Die sitt­li­chen Tugen­den, also vor allem die vier Kar­di­nal­tu­gen­den Klug­heit, Gerech­tig­keit, Mäßig­keit, Tap­fer­keit, besei­ti­gen die Hin­der­nisse, die uns auf dem Wege zu Gott begeg­nen. Sie räu­men die Hin­der­nisse weg, indem sie den Wil­len geneigt machen, den Gebo­ten Got­tes zu gehor­chen. (Quelle)



I. Abschnitt. Die Tugend der Klugheit 
Wir werden darlegen I. Ihr Wesen, 2. Ihre Notwendigkeit, 3. Die Mittel, sich darin zu vervollkommnen.
I. Ihr Wesen 
Um es besser zu erfassen, geben wir ihre Definition, ihre Bestandteile und ihre Arten an. 

Definition. Die Klugheit ist eine sittliche und übernatürliche Tugend  die den Verstand geneigt macht, bei jeder Gelegenheit die zur Erreichung unserer Ziele besten Mittel zu wählen. Dabei werden alle Ziele unserem letzten untergeordnet. 
Es handelt sich demnach hier weder um die Klugheit des Fleisches, noch um die rein menschliche Klugheit, sondern um die christliche. 

A) Es ist nicht die Klugheit des Fleisches. Diese macht uns erfinderisch im Entdecken von Mitteln zur Erreichung eines schlechten Zieles, zur Befriedigung von Leidenschaften, zur Bereicherung, zur Erlangung von Ehrenstellen.
Der hl. Paulus verwirft sie, denn sie ist gottfeindlich, erhebt sich gegen Gottes Gesetze und als Gegnerin des Menschen führt sie zum ewigen Tode (Römerbrief VIII, 6-8).

Es handelt sich hier auch nicht um rein menschliche Klugheit, welche nach den geeignetsten Mitteln für die Erreichung eines natürlichen Zieles sucht, ohne sie dem letzten Ziele unterzuordnen. Wir beobachten sie bei Leuten, die Handel treiben, wir finden sie bei Künstlern und Arbeitern. Sie suchen Geld zu verdienen oder berühmt zu werden, ohne sich um Gott und die ewige Seligkeit zu kümmern. 
Man soll ihnen vor Augen halten, es diene nichts, die ganze Welt zu gewinnen, wenn dabei die Seele verloren geht. (Matth. XVI, 26) 

wird fortgesetzt
Aus: Tranquerey, Grundriss der aszetischen und mystischen Theologie
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