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Freitag, 1. Mai 2015

Tulpen, Hyazinthen und Narzissen in unserem Garten

Im April war ich viel im Garten beschäftigt, daher war es hier im Blog ziemlich ruhig. Trotz der an die 1000 Tulpen im Garten hat uns der liebe Gott dieses Jahr von Wühlmäusen verschont, für die Tulpenzwiebeln sonst ein bevorzugtes Fressen sind.

Wem die Bilder aus der "Kunstausstellung Gottes" gefallen, der kann sie bei Bedarf herunterladen und verwenden.

"Die ganze Natur ist sozusagen eine immerwährende Kunstausstellung Gottes, in der jedes einzelne Werk und alle zusammen in ihrer zweckmäßigen Ordnung uns von der Allmacht, Weisheit und Güte unseres himmlischen Vaters erzählen. 
Sie sind wie ein vielstimmiger Hymnus auf die unendliche Größe und Güte Gottes und eine beständige Aufforderung zu seiner Liebe und Verehrung."
P. Victor Cathrein S.J. in "Die Bedeutung der Gabe der Pietät für das christliche Leben", 1928
























Mittwoch, 22. Mai 2013

Die Uner­meß­lich­keit und All­ge­gen­wart Got­tes

von Prälat Georg May

„Wir haben ja alle den­sel­ben Gott.“ So hört man oft Men­schen reden, wenn es um die Unter­schiede im Glau­ben geht. Diese Rede ist gefähr­lich, denn wir haben nur den Gott, den wir ken­nen. Und die Kennt­nis Got­tes ist bei den Men­schen sehr unter­schied­lich. Das Got­tes­bild, das die ein­zel­nen Men­schen haben, ist sehr ver­schie­den. 
Es kommt aber nicht dar­auf an, irgend­ein Bild von Gott zu haben, son­dern das rechte Bild. Wir sol­len Gott nicht in irgend­ei­ner Weise ver­eh­ren, son­dern in der rich­ti­gen Weise. Darum ist es so bedeut­sam, meine lie­ben Chris­ten, daß wir uns Gott vor Augen füh­ren, sein Wesen und seine Eigen­schaf­ten, und das ver­su­chen wir seit meh­re­ren Sonn­ta­gen. Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag haben wir nach­ge­dacht über die Eigen­schaf­ten der Unver­än­der­lich­keit und der Ewig­keit Got­tes. Heute wol­len wir beden­ken, was es heißt, wenn wir sagen: Gott ist uner­meß­lich und all­ge­gen­wär­tig. Wir wol­len also die bei­den Eigen­schaf­ten Got­tes beden­ken, die Uner­meß­lich­keit und All­ge­gen­wart Got­tes bedeu­ten.

Uner­meß­lich­keit Got­tes besagt die Ver­nei­nung jeder räum­li­chen Beschrän­kung. Im Glau­bens­be­kennt­nis, wel­ches das atha­na­si­sche heißt, wird von Gott bekannt: „Uner­meß­lich ist der Vater, uner­meß­lich der Sohn, uner­meß­lich der Hei­lige Geist. Aber nicht drei Uner­meß­li­che, son­dern ein Uner­meß­li­cher.“ 
Das IV. Later­an­kon­zil vom Jahre 1215 und das I. Vati­ka­ni­sche Kon­zil von 1870 haben Gott aus­drück­lich das Attri­but, die Eigen­schaft, uner­meß­lich zu sein, bei­ge­ge­ben. Diese Ver­kün­di­gung des kirch­li­chen Lehr­am­tes ist nichts ande­res als der Wider­hall der Offen­ba­rungs­ur­kunde, der Hei­li­gen Schrift. Der König Salo­mon hatte den Plan ver­wirk­licht, den schon sein Vater David gehabt hatte, näm­lich Gott ein Haus zu bauen, einen Tem­pel. Und die­sen Tem­pel hat er in wun­der­ba­rer Pracht errich­tet. 
Als er fer­tig war, da sprach Salo­mon ein Gebet, und in die­sem Gebete kommt der bedeut­same Satz vor: „Die Him­mel der Him­mel kön­nen dich nicht fas­sen, wie­viel weni­ger das Haus, das ich dir gebaut habe!“ Also Salo­mon war sich über die Uner­meß­lich­keit Got­tes völ­lig im kla­ren. Die Him­mel der Him­mel, jene Welt, die Gott vor­be­hal­ten ist, ist außer­stande, Gott ein­zu­schlie­ßen. Und wenn das schon für die Him­mel der Him­mel gilt, um wie­viel mehr muß es für das Haus gel­ten, das trotz aller Pracht beschei­den auf dem Tem­pel­berge in Jeru­sa­lem steht.

Gott ist uner­meß­lich. Das haben auch die Kir­chen­vä­ter immer wie­der her­vor­ge­ho­ben in ihren Schrif­ten. Sie nen­nen Gott unfaß­bar, unum­schreib­bar, uner­meß­lich. In einer Schrift aus dem 2. Jahr­hun­dert n. Chr., dem Hir­ten des Her­mas, heißt es: „Wie könnte der umfaßt wer­den, der alles umfaßt?“ Der tiefste Grund für die Uner­meß­lich­keit Got­tes ist seine unend­li­che Seins­fülle. Wenn Gott unend­lich ist, dann ist eben jedes Mes­sen und jedes Wägen und jedes Zäh­len von ihm aus­ge­schlos­sen. Wer unend­lich ist, der kann auch nicht im meß­ba­ren Raum ein­ge­schlos­sen wer­den. Die unend­li­che Seins­fülle Got­tes erhebt Ein­spruch gegen irgend­eine räum­li­che Beschrän­kung Got­tes. Gott ist über jeden Raum erha­ben.

Der Raum, meine lie­ben Chris­ten, ist gewal­tig. Der Teil des Welt­alls, den wir zu erken­nen ver­mö­gen mit Fern­roh­ren und mit pho­to­gra­phi­schen Plat­ten, also mit den Mit­teln der moder­nen Astro­no­mie, umfaßt 500 Mil­lio­nen Ster­nen­sys­teme, Gala­xien, und jedes die­ser Ster­nen­sys­teme besteht aus einer Unmasse von Ein­zelster­nen. Diese Ster­nen­sys­teme sind Hun­derte von Mil­lio­nen Licht­jahre von uns ent­fernt. Ein Licht­jahr, das ist die Stre­cke, die ein Licht­strahl in 1 Jahr zurück­legt. Man hat aus­ge­rech­net, wie lange es dau­ern würde, wenn ein Schnell­zug mit 200 Stun­den­ki­lo­me­tern zu dem für uns gut erkenn­ba­ren Ster­nen­ne­bel Andro­meda rei­sen wollte. Ein Schnell­zug mit 200 Stun­den­ki­lo­me­tern, der zum Ster­nen­ne­bel Andro­meda fah­ren wollte, bräuchte dafür 1 Bil­lion Jahre. 1 Bil­lion sind 1000 Mil­li­ar­den. 1 Bil­lion Jahre bräuchte der Schnell­zug. Das ist also das geschaf­fene Welt­all, das wir erken­nen, das wir vor Augen haben, das wir bis zu einem gewis­sen Grade ermes­sen kön­nen. Wie­viel gewal­ti­ger muß der sein, der das alles erschaf­fen hat, der welt­über­le­gene Gott in sei­ner Seins­fülle, mit sei­nem unräum­li­chen Wesen. Gott ist uner­meß­lich.

Aus der Uner­meß­lich­keit Got­tes aber ergibt sich seine All­ge­gen­wart. Gott ist im geschaf­fe­nen Raum all­ge­gen­wär­tig. Auch das wird von der kirch­li­chen Lehre uner­müd­lich fest­ge­hal­ten und vor­ge­tra­gen. In älte­ren Kir­chen sieht man über dem Altar häu­fig ein Auge abge­bil­det in einem Drei­eck. Die­ses Auge soll Got­tes Auge dar­stel­len, seine Gegen­wart, seine All­ge­gen­wart, auch – und natür­lich beson­ders – in jedem Got­tes­haus. Die Hei­lige Schrift spricht vor allem im 138. Psalm in ergrei­fen­der Weise von der All­ge­gen­wart Got­tes. „Wohin soll ich gehen vor dei­nem Geist, wohin flie­hen vor dei­nem Ant­litz. Stiege ich auch zum Him­mel hin­auf, du bist dort. Läge ich drun­ten im Toten­reich, siehe, da bist du. Nähme ich mir auch des Mor­gen­rots Schwin­gen und ließe mich nie­der am Ende des Mee­res, so würde auch dort deine Hand mich fas­sen, deine Rechte mich gelei­ten. Und dächte ich: Fins­ter­nis soll mich ver­hül­len, zur Nacht soll wer­den das Licht um mich her, so wäre auch die Fins­ter­nis nicht für dich fins­ter, die Nacht wäre hell wie der Tag, die Fins­ter­nis wie das Licht.“

Aus die­sem wun­der­ba­ren Text geht die Über­zeu­gung her­vor, daß Gott über­all gegen­wär­tig ist. Die Theo­lo­gen, vor allem die Kir­chen­vä­ter, haben sich bemüht, die All­ge­gen­wart Got­tes zu ergrün­den und zu unter­schei­den. Sie spre­chen von einer All­ge­gen­wart der Kraft nach, einer All­ge­gen­wart dem Wis­sen nach und einer All­ge­gen­wart der Wesen­heit nach. Got­tes All­ge­gen­wart ist eine sol­che der Kraft nach. Der Kraft nach gegen­wär­tig ist zum Bei­spiel die Sonne auf unse­rer Erde. Die Sonne fällt ja mit der Erde nicht zusam­men. Sie ist nicht auf der Erde, aber mit ihrer Kraft, mit ihren Strah­len, mit ihrer Wärme, mit ihrer Hel­lig­keit, da ist die Sonne auf unse­rer Erde. Ähn­lich ist Gott mit sei­ner Kraft über­all gegen­wär­tig. Er spricht, er will, und dann geschieht es, und das über­all. Gott ist der Kraft nach, mit dyna­mi­scher Gegen­wart, wie die Theo­lo­gen sagen, über­all gegen­wär­tig. Was er will, das voll­bringt er. Keine Schwä­che ficht ihn an, und keine Ohn­macht kann ihn errei­chen. Er ist der Kraft nach über­all gegen­wär­tig.

Gott ist aber auch dem Wis­sen nach über­all gegen­wär­tig. Der hei­lige Pau­lus sagt in sei­ner Rede auf dem Areo­pag in Athen: „In ihm leben wir, bewe­gen wir uns und sind wir.“ In ihm leben wir, bewe­gen wir uns und sind wir. Wie der Gedanke ein Erzeug­nis unse­res Geis­tes ist, so ist der Raum und alles, was ihn erfüllt, ein Erzeug­nis, ein Pro­dukt des gött­li­chen Geis­tes. Und so, wie wir den Gedan­ken durch­drin­gen mit unse­rem Geist, so durch­dringt Gott mit sei­nem Geiste den Raum und alles, was ihn erfüllt. Es ist das eine ide­elle Gegen­wart Got­tes, wobei wir uns frei­lich von dem Gedan­ken lösen müs­sen, daß die Idee kraft­los und schwach sei, son­dern Got­tes Ideen sind mit Macht und mit Wirk­sam­keit begabt. Und was er denkt, das schafft er, zum Unter­schied von uns. 

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