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Samstag, 2. August 2014

Die wahre Marienverehrung, erklärt vom hl. Alphons von Liguori

Heute fällt im traditionellen Kalender das Fest des heil. Kirchenlehrers und Gründers des Redemptoristenordens, Alphons Maria von Liguori passenderweise mit dem Herz-Mariä-Sühnesamstag zusammen. 
Der heil. Alphons war ein sehr großer Marienverehrer. Im Folgenden erklärt er, wieso eine Marienverehrung, bei der der angebliche Verehrer nicht von der Sünde lassen will, oder, wenn er Kleriker sein sollte, nicht alles tun  will, um die Menschen vom Sündigen abzuhalten, Schall und Rauch ist:

  1. Die rechte Andacht zu Maria ist unzertrennlich von einer fleißigen Flucht der Todsünden und aller lässlichen Sünden; sie ist unzertrennlich von der Nachfolge Mariä und von der Übung christlicher Tugenden. Wer Maria liebt, ruft sie oft an und trachtet, dass sie von ihm und anderen geehrt werde
  2. Ich glaube nicht, dass die Hölle sich rühmen kann, einen Einzigen, der sich der oben angedeuteten Andacht zu Maria befleißigt hat, in ihrer Mitte zu haben. 
  3. Je hilfebedürftiger und je elender eine Seele ist, desto bereiter ist Maria ihr beizustehen.
Alles aus: Umrisse des Leben und des Todes des sel. Alphonsus Maria von Liguori, Augsburg 1832
Der hl. Kirchenlehrer Alfons Maria von Liguori, Gründer der Redemptoristen,
mit Rosenkranz in der Hand
Er hatte in seinen späteren Lebensjahren u.a. eine Rückenerkrankung,
weshalb er immer vornübergebeugt war.
siehe auch:
Der Wert eines einzigen Ave Maria - vom hl. Alfons M. v. Liguori
Immer siegreich im Kampf mit dem Teufel

Von der so wichtigen Flucht der "bösen Gelegenheit"




Mittwoch, 23. Juli 2014

Mensch, wozu bist du da?

(passende Heiligenlegende hier)

Auf diese Frage gibt der Mund eines sterbenden Heiligen die Antwort: Ut glorificetur Deus! „damit Gott verherrlicht werde." 
Alles, Himmel und Erde und was im Himmel und auf Erden lebt und schwebt, hat Gott zu seiner Verherrlichung erschaffen, soll er etwa den Menschen von dieser Pflicht ihn zu verherrlichen, ausgenommen haben? Nein, denn Gott selbst spricht: „Zu meiner Verherrlichung habe ich ihn erschaffen." (Isaias 43, 7)

Gerade durch den Menschen sollen alle Geschöpfe der Erde an dieser Verherrlichung teilnehmen, gerade der Mensch soll gleichsam das Werkzeug sein, durch welches auch die unvernünftigen Geschöpfe Gott, ihren Schöpfer, verherrlichen können. 

Diese Verherrlichung der höchsten Majestät Gottes war nun das beständige Ziel des heiligen Franziskus Solanus

Es war ihm nicht genug im Herzen und mit dem Munde Gott zu loben; es war ihm nicht genug, all seine mühevollen Arbeiten aus Liebe zu Gott und zur Verherrlichung Gottes zu verrichten; es war ihm nicht genug über das Meer zu setzen und in die dunklen Wälder Amerikas zu dringen, um die ungläubigen Indianer zur Erkenntnis des wahren Gottes und zur Verherrlichung seines heiligsten Namens zu führen; es war ihm nicht genug, die verstockten Sünder aus ihrem Todesschlaf* aufzuwecken, auf dass sie wieder Gott liebten und verherrlichten, er rief in seiner Liebesglut und in seiner kindlichen Einfalt auch die unvernünftigen Vögel herbei, auf dass sie mit ihm das Lob ihres Schöpfers singen, ihn verherrlichen möchten, und siehe da, Gott belohnte die heilige Einfalt seines Dieners und die Vöglein klein und groß kamen und sangen mit ihm den Preisgesang zur Ehre des Allerhöchsten.

O lieber Leser, wer du auch seist, vergiss doch den Wahlspruch des sterbenden Heiligen nicht: „Gott soll gepriesen werden." 
Tue doch alle deine Werke zu Gottes Ehre! „Ihr möget essen oder trinken, schreibt der heilige Apostel Paulus, tut alles zur Ehre Gottes. Bedenke doch und vergiss nie, dass du Gottes Eigentum bist und dass Er dich zu Seiner Verherrlichung erschaffen hat. 

Immer sollst du Gottes Ehre im Auge haben; bei all deinem Tun und Lassen sollst du dich fragen: Ist es zu Gottes Ehre, wird dadurch Gott verherrlicht, oder will es Gott haben, ist es ihm wohlgefällig? 

Merke dir: sobald in deinem Tun und Lassen nicht Gottes Ehre das letzte Ziel ist, ist alles umsonst, du gleichst einem Baum, der keine guten Früchte bringt, und was mit einem solchen Baum geschieht, das weißt du! (Matth. 7,19)
So möge denn auch das Wort des Heiligen immer in deinem Herzen und auf deinen Lippen sein: „Gott werde verherrlicht!"

Gebet. O Herr Jesus, mein Heiland, der Du während Deines Wandels auf Erden kein anderes Ziel im Auge hattest, als die Verherrlichung Deines himmlischen Vaters, hilf mir, dass ich, wie Dein heiliger Diener Franziskus Solanus, dieses Ziel niemals aus den Augen lasse, auf dass auch ich einst mit ihm der ewigen Seligkeit und Herrlichkeit des Himmels teilhaftig werde.
Alles aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858

*Man spricht von Tod­sünde, weil diese Sünde den Ver­lust des gött­li­chen Lebens in der Seele, der hei­lig­ma­chen­den Gnade, zur Folge hat.


Donnerstag, 17. Juli 2014

Von der wahren gottgefälligen Armut

Homilie zu dieser Heiligenlegende des hl. Alexius:

Lieber, christlicher Leser! wenn ich dir sagte, du sollst diesen Heiligen nachahmen, so würdest du wohl über ein solches Begehren zu Recht staunen und mir antworten:
„Wie kann ich das?" Ja, du magst mir auch erwidern, dass Gott so etwas von dir nicht verlange und dass du auch auf andere Weise heilig und selig werden könnest.

Du hast recht, denn Gott führt oft seine Heiligen auf Wege, die man bewundern muss, die aber nicht immer nachzuahmen sind. Dennoch gibt auch das wunderbare, außerordentliche Leben mancher Heiligen gewisse Fingerzeige, denen wir folgen müssen, wenn wir selig werden wollen. 


Die vollständige Entblößung des heiligen Alexius von allem, was dem Menschen lieb und teuer ist, seine vollständige Bekämpfung aller, selbst natürlicher, Gefühle weisen auf jenes Wort des Heilandes hin: „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich." 

Ich sage es dir gerade heraus, lieber Christ! ohne Armut kommst du nicht in den Himmel: arm musst du vor Gott werden, arm an aller Lust der Welt, arm an allem Genusse der eitlen Freuden der Weltkinder, arm an Ehrgeiz, am Stolze, an allem Eigensinne, arm an Anmaßung und hohem Streben, das heißt, du musst wahrhaft demütig werden, dich vor Gott verachten, der Geringste und Letzte im Reiche Gottes sein wollen und es tief im Herzen fühlen und überzeugt sein, wie du ohne Gott gar nichts bist und vermagst. 

Zu dieser Armut gelangst du, wenn du deine Armseligkeit, deine Sündhaftigkeit, deine Schwäche aufmerksam betrachtest und zugleich deinen Blick auf Jesus richtest, der von seiner Geburt an bis zu seinem Tode die Niedrigkeit und Verachtung sich erwählte! Je mehr du in dieser Armut zunimmst, je mehr du von dir selbst leer wirst, desto reicher wirst du vor Gott an Gnaden und Wohlgefallen. 

Ferner musst du auch arm werden an den Gütern dieser Welt. Bist du schon von Gott in einen armen Stand gesetzt, hast du ohnehin mit Not und Mangel zu kämpfen, so sei mit deinem Stand zufrieden und denke an die unbeschreibliche Armut Jesu und seiner Mutter.

Ach wie wenig bedarf der Mensch, und doch wie viel will er immer haben! Ein armer Mensch, der so begierig ist, nach Geld und Hab und Gut, der ist vor Gott nicht arm, denn Gott sieht auf den Willen!

Hat dir aber Gott die Güter dieser Welt beschieden: bist du reich, vermögend, dann hänge ja dein Herz nicht an dies vergängliche Gut. Nimm es dir tief zu Herzen, wie du einst im Tode alles verlassen musst, und wie Gott nimmermehr den lieben kann, der den ungerechten Mammon liebt. 

Es gibt viele Heilige im Himmel, die auf Erden reich mit Gütern gesegnet und dabei doch wahrhaft arm waren. Es waren ihnen nämlich ihre Güter ganz gleichgültig und sie benutzten dieselben nur, um damit recht viel Gutes zu stiften.

Endlich musst du auch arm werden an der Liebe zu den Geschöpfen, Jesus will dein ganzes Herz besitzen und Er spricht auch zu dir: „Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert." (Matth. 10.37)

Gott verlangt von dir nicht, dass du, wie der heilige Alexius, sogar deine natürliche Liebe zu Eltern, Freunden, Ehefrau oder Kind, unterdrückst und sie gar verlässt, aber das verlangt er von dir, dass du Ihn mehr als diese, ja mehr als dein eigenes Leben liebst, dass du dich durch kein Geschöpf von der Liebe deines Gottes und
Herrn trennen lässt, wie der heilige Apostel sagt. (Röm. 8, 38.)

O christliche Seele, trachte aus allen Kräften nach dieser gottgefälligen Armut; du gewinnst damit alles, du gewinnst Gott selbst, den unendlich reichen, schönsten Herrn, der da ist die Quelle aller Wonne, aller Seligkeit! 

Gebet. O mein Gott und Herr, mache doch mein Herz los von den Gütern dieser Erde und von den Geschöpfen dieser Welt; ja mache mich los von mir selbst. Siehe, ich werfe mich ganz in Deine Arme; ich weihe Dir mein Leben, ich opfere Dir alles, was ich habe; nimm alles hin, nur schenke mir Deine Liebe! Amen.
Alles aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858

Samstag, 7. Dezember 2013

Betrachtung zum Fest des hl. Ambrosius

ausführliche Heiligenlegende hier
Schriften des hl. Ambrosius von Mailand, Bischof, Kirchenlehrer und Kirchenvater hier

1. Der hl. Ambrosius bewahrte auch mitten im Drange der Geschäfte und im Geräusche der Welt und des Hofes die Sammlung des Geistes und verlor die Gegenwart Gottes nicht aus den Augen. Alle seine Arbeiten begann er mit frommem Gebet, und auch während der Arbeit richtete er seine Augen wieder und wieder auf Gott, um für Gott zu arbeiten und Gottes Gnade sich zu erflehen, ohne die nichts Gutes gedeihen kann. 
Nach geschehener Arbeit ging er wieder in sich, um sein Werk vor Gott zu prüfen, ihm zu danken für seine Gnade und sich wegen der begangenen Fehler zu demütigen. So verlor er Gott und sich selbst nie aus den Augen. Verfährst Du auch so?

2. In solcher Weise werden die Fehler ausgetilgt und die Tugenden mit Leichtigkeit erworben. Denn darum werden Sünden auf Sünden gehäuft, weil niemand ist, der nachdenkt in seinem Herzen, weil niemand sich lebendig vergegenwärtigt, dass Gott alle Werke sieht und alles Gute dereinst lohnen wird. 
Würdest du auch noch wohl zu sündigen wagen, wenn du von der lebendigen Überzeugung durchdrungen wärest, dass Gott dich sieht, während du sündigst? Würdest du nicht freudig arbeiten und leiden für Christus, wenn du des Lohnes gedächtest, den Christus den Seinen für alle Mühen und Leiden verheißen hat?

3. Sich zu sammeln und in der Gegenwart Gottes zu verbleiben, ist leichter als man denkt. Laden uns denn nicht alle geschaffenen Dinge zur Bewunderung und Liebe Gottes ein, wenn wir nur bedenken, dass sie die Wirkungen seiner Güte gegen uns und ein Abbild seiner Vollkommenheit sind? 
Himmel und Erde, Sonne und Mond und alle Geschöpfe verkünden die Herrlichkeit Gottes. Bemühe dich, ihre Stimme zu verstehen, und steige von den Geschöpfen zum Schöpfer hinauf, der unendlich schöner und erhabener ist als alles, was du hier auf Erden siehst.

Alles  aus: Heiligen-Legende in täglichen Lesungen und Betrachtungen von Dr. Friedrich Hense, Herder, 1911


Montag, 2. Dezember 2013

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um - Fest der hl. Bibiana, Jungfrau und Märtyrerin

Heiligenlegende der hl. Bibiana hier
passende Brevierlesung hier


Die heilige Bibiana stand in der höchsten Gefahr, in Sünde zu fallen; jedoch, da sie die Gefahr nicht selbst aufsuchte, sondern mit Gewalt derselben ausgesetzt wurde, bewahrte sie Gott auch vor jeder Befleckung.
Dies ist ein großer Trost für jene, welche oft wider ihren Willen in eine Versuchung geraten, und derselben nicht entfliehen können; z. B. für Dienstboten, die in einem gefährlichen Dienst stehen und denselben nicht gleich verlassen können. — Der liebe Gott wird ihnen gewiss beistehen und sie stärken im Kampfe, wenn sie nachdem Beispiele der heiligen Bibiana wachen, beten und gegen jede böse Zumutung ihren Abscheu zu erkennen geben.

Doch wie wird es wohl jenen ergehen, welche, von Vorwitz, böser Lust oder eitlem Selbstvertrauen getrieben, sich leichtsinnig und freiwillig der Gefahr zu sündigen aussetzen oder darin mit freiem Willen verharren, obwohl sie fliehen könnten? 
Wird Gott auch diesen seinen Schutz gewähren? Gewiss nicht. Nur den Demütigen, denen, die sich fürchten, die sich selbst nicht trauen, gibt Gott seine Gnade, sagt der Apostel, den Stolzen aber widersteht er, diesen entzieht er seine Gnade, diese lässt er fallen. 

Sich freiwillig einer Gefahr zur Sünde aussetzen oder darin bleiben, ist schon Sünde, und führt zur Sünde. Der heilige Geist ermahnt uns: „Fliehe vor der Sünde, wie vor einer Schlange."
(Eccl. 21.) Man fürchtet aber nicht bloß den Biss der Schlange, sondern auch jede Annäherung, jede Berührung derselben. Ebenso muss man nicht nur die Sünde selbst, sondern auch die Gelegenheit hierzu, also: ein böses Haus, eine Unterhaltung, eine Person fliehen, welche unserer Seele gefährlich sind. 

Wenn dem Propheten Isaias Gott der Herr befiehlt: „Predige: alles Fleisch ist Heu," so heißt das so viel, als, der Mensch ist gleich dem Heu leicht entzündbar, und wie es unmöglich ist, dass das Heu nicht brennt, wenn man es zu einer brennenden Fackel hinhält, so ist es auch nicht möglich, dass der schwache Mensch in der Gefahr nicht in die Sünde fällt. — Wie es ein Wunder wäre, dass der Mensch auf glühenden Kohlen sich die Füße nicht verbrennt, so ist es, sagt der heilige Bernard, noch ein größeres Wunder, sich der Gefahr zur Sünde auszusetzen und doch keusch zu bleiben. 

Gar viele verlassen sich auf ihre eigene Kraft, und wenn sie gemahnt und gewarnt werden, geben sie zur Antwort: Ich nehme mich schon in acht, ich weiß schon, was ich zu tun habe; ich lasse mich in keine Sünde ein; jedoch denken sie nicht daran, das der Mensch von Feinden umringt ist, dass er in sich selbst die bösen Neigungen hat, und dass der Mensch ohne Gottes Beistand sich nicht vor dem Falle bewahren kann, dass denen aber Gott nicht beisteht, welche auf ihre eigene Kraft pochen.
Stärker als der heilige Petrus wirst du doch nicht sein wollen, und siehe, er fiel in die Sünde, weil er sich der Gefahr aussetzte! - Der heilige Alphons sagt, dass derjenige schwerlich selig werden kann, welcher es wagt, sich freiwillig der Gefahr zur Sünde auszusetzen.

Merke dir das, lieber Leser, und meide jede Gelegenheit zur Sünde; meide jene Personen, jene Häuser, jene Unterhaltungen, jene Spiele, jene Wege, wo du weißt und voraussehen kannst, dass dir Gefahr droht, dass du in eine Sünde fallen kannst, und bete vom Herzensgrunde alle Tage jene Bitte im heiligen Vater unser: Führe uns nicht in Versuchung! — 
O wie viele junge Menschen würden das Kleid der Unschuld nie befleckt, nie verloren haben, wenn sie sich nicht mutwillig der Gefahr der Sünde ausgesetzt hätten, denn „wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um"!
Vorsatz und Gebet. Mein Gott und Herr! ich weiß, dass ich schwach bin, darum nehme ich mir fest vor, jede Gelegenheit, jede Gefahr zur Sünde zu fliehen aus Liebe zu Dir, o Herr!  Verleihe mir nur die Gnade, dass ich meinen Vorsatz halte; und wenn mir unvermutet Gefahr droht, dann rette auch mich, wie Du Deine heilige Dienerin Bibiana mitten aus der Gefahr errettet hast. Amen.
alles aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858

Siehe auch:
Von der so wichtigen Flucht der "bösen Gelegenheit"

Samstag, 30. November 2013

Kreuzestrost - zum Fest des hl. Apostel Andreas

passende sehr schöne Heiligenlegende vom selben Autor wie das unten Folgende: hier.


Früher wussten die meisten Katholiken noch, dass wenn man nichts zu leiden hat, es ein schlechtes Zeichen ist, nämlich, dass man bei Gott wohlmöglich in Ungnaden ist. Leiden galten immer als Zeichen der Auserwählung und als Mittel, womit man dem Heiland gleichförmig werden kann, was wird im Folgenden sehr schön erklärt wird.
Ein weiterer Aspekt beim Leiden war, dass alle Heiligen wussten, dass man erst im Leiden Gott seine Liebe beweisen kann. Wenn es einem immer nur gut geht, ist es nicht schwer zu sagen: "Gott, ich liebe Dich!" Schickt Gott aber Leiden, so kann man erkennen, ob man Gott um Seinetwillen oder aus Eigenliebe liebt.

Kreuzestrost
Es mag dir vielleicht, lieber Leser, sonderbar vorkommen, dass der heilige Apostel Andreas gar so innig und feurig nach dem Kreuze verlangt und es so heiß umfangen hat, als sein Wunsch erfüllt und er daran gebunden wurde. 
Er erfreut sich an den furchtbaren Leiden des Kreuzes, es macht ihm Schmerz zu hören, dass man ihn davon befreien will, gleich als sei in Leiden, in Peinen und Qualen des Kreuzes die größte Ewigkeit, die reichste Wonne, der höchste Trost! 


Kreuzigung 
des hl. Apostels Andreas
Mattia Preti
Ist denn nicht dieser heilige Apostel auch ein Mensch, fühlt er nicht auch den Schmerz? Allerdings, auch seine Natur fühlt den Schmerz, auch sein Leib erschaudert vor dem Kreuze, aber seine Seele hat das Wort Jesu erfasst und in seiner ganzen Tiefe kennen gelernt: „Wer mir nachkommen will, der nehme sein Kreuz täglich auf sich und folge mir nach." 
Er kennt das Geheimnis des Kreuzes, welches für den, der es versteht, die größte Süßigkeit, den größten Trost enthält.
Die meisten Menschen fliehen nur deshalb das Kreuz, haben Scheue, Furcht und Schrecken vor dem Kreuze, d. h. vor Leiden, Trübsalen und Schmerzen, weil sie den reichen Schatz nicht kennen, der darin verborgen liegt, weil sie nicht wissen, welcher Trost im Kreuze ist, und zu welch herrlicher Belohnung es führt. 
Das Kreuz, d.h. Leiden und Trübsal, ist ein Zeichen der Auserwählung; das Kreuz ist die Leiter zum Himmel, ist der Weg zur Vereinigung mit Gott. 

Werde ich selig werden oder verdammt? Diese Frage möchte jedermann, dem es um die Rettung seiner Seele ernst ist, beantwortet wissen. Aber auf diese Frage gibt es keine sichere Antwort. „Niemand weiß", spricht der heilige Geist, "ob er des Hasses oder der Liebe wert ist." 
Doch so viel kann nach der Lehre der heiligen Väter auf diese Frage geantwortet werden, dass derjenige Christ, welcher mit Christus sich kreuzigt und kreuzigen lässt, zu den Auserwählten gehöre. 
Leiden, Trübsale, Tränen und Seufzer, sagt ein frommer Geisteslehrer, bezeichnen die Auserwählten.  Ja der heilige Augustinus sagt das große Wort: „Wer nicht leidet, ist kein Kind Gottes."
Kein Auserwählter ist je von Leiden freigesprochen worden ; alle haben Christo dem Herrn das Kreuz nachtragen müssen, sind mit ihm ans Kreuz geschlagen worden, selbst seine reinste, unschuldigste Mutter Maria nicht ausgenommen. 

Das Kreuz, die Leiden und Trübsale reißen das Herz des Menschen los von dieser Erde und ziehen es zum Himmel, zu Gott empor; sie läutern und reinigen die Seele und machen sie immer tauglicher zur Vereinigung mit dem höchsten Gute; sie machen den Menschen Christo dem Herrn ähnlich und führen ihn ein in die Wonnen seines göttlichen Herzens, das um unseretwillen so unendliche Leiden geduldet. 
Nur durch's Kreuz wird die Liebe vollkommen, und die vollkommene Liebe ist das Paradies, ist der Himmel auf Erden. Darum haben denn auch die Heiligen so sehr nach Kreuz und Leiden verlangt, haben darin ihren Trost, ihre Freude und Wonne gesucht. 
Seitdem der Herr Jesus am Kreuze verblutete, seitdem ist das Kreuz, sind Leiden und Trübsale ein Mittel geworden, die nach dem Himmel schmachtende Seele des Christen auf Erden zu trösten. O wenn doch, wie der heilige Andreas, alle Gläubigen den großen Schatz, den großen Trost kennen würden, der im Kreuze verborgen ist! 

O Seele! wenn Trübsale, Leiden, was immer für einer Art, über dich kommen, nimm sie gerne an, sie kommen von Gott und führen zu Gott; sie sind ein Zeichen, dass Gott dich liebt; sie sind ein Gnadengeschenk, womit du deine Seele retten, womit du zum Himmel emporsteigen kannst. 

Merke dir, wenn dir alles nach Wunsch geht, wenn du gar nichts zu leiden hast, wenn man dich überall lobt und ehrt, o dann fürchte dich, dann zittere, denn du befindest dich nicht auf dem Weg, den Christus, den alle Heiligen gegangen sind — dem Kreuzesweg! 
Bist du aber gezwungen, diesen Weg zu gehen, indem dich der liebe Gott mit Leiden heimsucht, oder gehst du ihn freiwillig, indem du dich selbst abtötest, dich züchtigst, dein Fleisch kreuzigst, dann sei getrost — dieser Weg führt dich zu Gott, zur ewigen Vereinigung mit ihm!
Gebet. O heiliger Andreas, der du das Kreuz so lieb hattest, bitte für mich, dass auch ich den kostbaren Schatz des Kreuzes, der Leiden und Trübsale recht kennen lerne, und hilf mir, dass ich gerne und mit Freuden jedes Kreuz annehme und trage, das mir die Hand Gottes schickt, damit ich so Christo dem Herrn ähnlich und seiner Seligkeit teilhaftig werde. Amen.
alles aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858


Dienstag, 25. Juni 2013

Was haben die Heiligen getan und was tun wir?

Was haben die Heiligen nicht alles getan, um sich ihres ewigen Heils zu versichern? 
Wie viele Vornehme, ja sogar regierende Fürsten haben ihre Reiche verlassen und sich in ein Kloster eingeschlossen? Wie viele Jünglinge sind aus ihrem Vaterland und von ihren Verwandten fortgezogen, um in Höhlen und Einöden ihr Leben zuzubringen? Wie viele Märtyrer haben ihr Leben mitten unter den furchtbarsten Qualen Gott aufgeopfert? 


Und wir, was tun wir? O ich Unglücklicher, vielleicht ist der Tod mir schon nahe und ich denke nicht daran!


aus: Wege des Heiles oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten vom Hl. Kirchenlehrer Alfons Maria von Liguori, S. 75

Online kostenlos zu lesen und herunterzuladen siehe Permalink unten.


Verlagsort: Regensburg | Erscheinungsjahr: 1872 | Verlag: Manz 
Signatur: 81.87231 
Reihe: Sämmtliche Werke des heiligen Alphons Maria von Liguori ; 1,1,8,2 
Permalink: http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10993430-6


Siehe auch:
Durch welches Mittel alle Heiligen zur Heiligkeit gelangt sind
und 
... heilig musst du werden - und fange heute noch an!
und

Über das letzte Stündlein

Freitag, 14. Juni 2013

Man soll sich nicht in Streitigkeiten über Glaubenssachen einlassen

Fortsetzung von hier

Einen großen Vorschub leistete der Ketzerei der Arianer die Streitsucht der Griechen. Nicht die Geistlichen allein, welche die Pflicht haben, den Irrtum zu bekämpfen und die Wahrheit an das Licht zu setzen, sondern Beamte, Handwerker, ja sogar Dienstboten und Taglöhner mischten sich damals in die Streitigkeiten über die Religion; fast überall an öffentlichen Plätzen, Strassen und in den Häusern wurde über die Gottheit Jesu, seine Geburt, seine Taten disputiert. 
So wagte es eines Tages sogar ein Küchenmeister des Kaisers, mit dem heiligen Bischof Basilius über Glaubenssachen zu disputieren. Diesem aber gab der Heilige die treffende Antwort: „Dein Amt ist es, in der Küche auf die Suppe acht zu haben, dass sie nicht versalzen werde, nicht aber von Glaubenssachen zu disputieren." 

Lasse dich also, lieber Leser, nicht ein, über Glaubenssachen mit anderen zu streiten. Es gibt heutzutage verschiedene Sorten von Menschen, welche gerne von Religion reden, aber keineswegs aus guter Absicht. 
Dahin gehören erstens die Irrgläubigen, die nicht zur Gemeinschaft unseres Glaubens gehören; diese protestieren immer gerne gegen die Wahrheit und suchen andere auf ihre Seite zu ziehen. Mit solchen Menschen sollst du dich in keinen Streit einlassen, aber deinen Glauben musst du ihnen gegenüber bekennen, mit Ruhe und Würde verteidigen und wenn sie der Belehrung zugänglich sind, sie belehren. Das Beste ist, dass du für deine irrenden Mitbrüder betest, wie dies auch der heilige Basilius getan hat.

Die zweite Sorte von Menschen, welche gerne über die heilige Religion streiten, sind heutzutage die sogenannten Aufgeklärten, die sich zwar katholische Christen nennen, aber nach ihrem Glauben nicht leben wollen. 
Die Lehre Jesu verwirft ihr leichtsinniges Leben, ihren Ungehorsam, ihren Stolz und Hochmut, ihre Weltliebe und ihre Genusssucht, daher möchten sie gerne jene Wahrheiten wegstreiten und ableugnen, welche ihr Leben verurteilen, und jene Übungen der Religion verwerfen, welche ihnen hart vorkommen, z. B. das Beichten, das Fasten, das Beiwohnen des Sonn- und feiertäglichen Gottesdienstes, die Buße, das Gebet usw. 
Diesen Menschen sollst du kein Gehör geben und dich auch in keinen Streit mit ihnen einlassen. Jesus warnt selbst vor ihnen, nennt sie falsche Propheten und sagt: An ihren Früchten kannst du sie erkennen. —

Die dritte Sorte solcher Menschen sind jene, welche nicht glauben, sondern die heiligen Geheimnisse der Religion mit ihrem Verstande ergründen oder eigentlich nur das glauben wollen, was sie mit Händen greifen. Von diesen Menschen sagt Christus: „Sie sind schon gerichtet, weil sie nicht glauben." 
Auch mit diesen musst du nicht streiten, weil ihr Hochmut zu groß ist und du nicht im Stande sein wirst, sie überzeugen zu können. Halte dich vielmehr treu zu deiner heiligen katholischen Kirche; glaube, was sie zu glauben vorstellt, und tue, was sie zu tun verlangt. 
Christus hat befohlen, die Kirche zu hören, und wer sie nicht hören will, ist ein Heide und öffentlicher Sünder. 

Die Bischöfe und Priester haben allein das Recht und die Pflicht, die Glaubenslehren darzulegen und den Irrtum aufzudecken und zu bekämpfen. Will also jemand mit dir streiten, so weise denselben an die Priester und bitte ihn, er möchte dich in Ruhe lassen. Streit führt niemals zum Guten; die beste Weise, Irrende auf den rechten Weg zu bringen wäre das Gebet und der gute Lebenswandel. Dessen befleiße dich, christliche Seele, und du wirst im Frieden leben!
Gebet. Göttlicher Heiland, ich danke Dir, dass Du mich in deiner heiligen Kirche hast geboren werden lassen, welche so große heilige Männer in ihrem Schoße hat. Verleihe mir nur die Gnade, dass ich der Wahrheit immer durch einen frommen Lebenswandel Zeugnis gebe und im Glauben an Dich und die Lehren Deiner Kirche niemals wanke. Amen.
alles aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858

Mittwoch, 12. Juni 2013

Das Himmelreich leidet Gewalt

Fast jede Seite des Evangeliums sagt uns, dass ohne Mühe, ohne Kampf, ohne ernste fortdauernde Anstrengung die Seligkeit, nach welcher jedes Menschenherz sich sehnt und die auch Gott versprochen hat, nicht erreicht werden könne. 

Nun aber gibt es viele Christen, welche das zwar einsehen, aber dennoch unterlassen, Hand ans Werk zu legen und sich Gewalt anzutun, um ihr Ziel zu erreichen. Sie wollen zwar selig werden, sie verlangen aufrichtig danach, scheuen aber den Kampf und die Anstrengung. 
Sie meinen, wenn sie ihren alltäglichen Geschäften fleißig nachgehen, Morgens und Abends ihr Gebet verrichten, an Sonn- und Feiertagen in die Kirche gehen, jährlich einigemal die heiligen Sakramente empfangen und sich vor groben Sünden hüten, so sei das schon genug, um einst glückselig zu sterben; dabei lassen sie ihre bösen Leidenschaften: den Zorn, die Ungeduld, den Eigennutz, den Hochmut, die Lieblosigkeit, die Genuß- und Vergnügungssucht, die Trägheit in Übung guter Werke, die Rechthaberei, die Liebe zur Weichlichkeit etc. fortwährend in ihrem Herzen stecken, und bestreben sich nicht, derselben Herr zu werden. 

Ja es gibt viele Christen (o mögest doch du, christlicher Leser, nicht dazu gehören!), welche ihr ganzes Leben lang nur darnach trachten, wie sie auf dieser Erde recht bequem und sorgenfrei leben können, und dann doch glauben, es wird beim Sterben nicht so weit gefehlt sein und der liebe Gott wird ihnen in der andern Welt schon ein gutes Plätzchen anweisen. 

Von jenen aber, die leichtsinnig und ungescheut Gottes heilige Gebote verachten und übertreten und dennoch meinen, sie könnten zu seiner Zeit sich schon bekehren und selig werden, will ich gar nicht reden!

Nun aber sagt Jesus: „Das Himmelreich leidet Gewalt"; er fordert also allen Ernstes von dem Menschen, dass er alle seine Kräfte anstrenge, um über sich selbst seine Neigungen und über die Schlingen der Welt und des Teufels Herr zu werden. Er verlangt also von dir, dass du fortwährend gegen dich selbst kämpfst und den vergänglichen eitlen Freuden und Gütern der Welt entsagst, — kurz, dass du ein bußfertiges Leben führst. 

 Um nun dich und alle Christen, welche selig werden wollen, von der Notwendigkeit eines solchen Lebens zu überzeugen und zum Kampfe gegen dich und die Welt aufzumuntern, stellt uns der Herr das hellleuchtende Beispiel der Heiligen vor Augen, die alle Gewalt gebraucht, ja von denen Viele mehr getan haben, als gerade zur Erreichung der Seligkeit notwendig gewesen wäre. Zu diesen gehört auch der hl. Onuphrius, der sechzig Jahre in die tiefste Wildnis sich begraben und fern von allem Umgang mit Menschen das härteste Leben geführt hat! — 
Sage mir, christliche Seele, musst du nicht bei Betrachtung dieses strengen Lebens ausrufen: 
Wenn dieser Heilige von seiner Kindheit an um das Himmelreich solche Gewalt gebraucht hat, was soll ich tun? Ist es wohl möglich, dass ich bei meinem weichlichen Leben vor Gott einst Gnade finden werde?
Soll ich denn gar nicht kämpfen und jede Überwindung scheuen?! Fest steht es: 
„Das Himmelreich leidet Gewalt, und nur die Gewalt brauchen, reißen es an sich."
Was willst du also tun, christliche Seele? Willst du noch immer die Hände in den Schoß legen? Fühlst und kennst du nicht, was du in und außer dir bekämpfen mußt? Denke einmal nach! 
Vergleiche dich mit Jesus, mit seinen Heiligen, und du wirst, du mußt finden, was du bekämpfen, was du abschneiden, was du dir versagen, was du an dir bessern mußt! Es ist Zeit, dass du einmal Hand anlegst, also frisch ans Werk; die Gnade Gottes ist dir gewiß, der Himmel ist alles wert!
Gebet. O mein göttlicher Heiland, verleihe mir doch den Mut und den wahren Eifer, Gewalt zu brauchen und mich abzutöten. Mein Fleisch empört sich dagegen, aber ich sehe es ein, dass ohne Überwindung, ohne Entsagung und Abtötung die Seligkeit bei dir nicht zu erlangen ist. Ziehe doch mein Herz zu dir, o Jesus, und hilf mir, dass ich nach dem Beispiele deiner Heiligen einmal Hand an's Werk lege.
alles aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858



Montag, 10. Juni 2013

Was eine christliche Mutter vermag - die hl. Margaretha, Königin von Schottland

passende Brevierlesung hier
Die heilige Königin Margaretha von Schottland war eine schwache Frau, aber weil sie vom Geiste Jesu Christi ganz durchdrungen war, das heißt, weil sie ihr Leben ganz nach dem Leben Jesu einrichtete und all ihr Vertrauen auf ihn setzte, heiligte er durch sie ihre Kinder, ihren Gemahl und ihr ganzes Land. 
Man kann sagen, dass jedem ihrer Schritte reichlicher Segen nachfolgte und jedes ihrer Worte Früchte des ewigen Lebens brachte. 

Die Bewohner des Königreichs Schottland wurden ganz in andere Menschen durch sie umgewandelt, und ihr Gemahl wurde durch sie ein Heiliger; ihre Kinder wurden Muster frommer Fürsten und Fürstinen und selbst ihr Beichtvater wurde durch sie zu höherer Vollkommenheit geführt. 

O was kann eine fromme Frau und Mutter alles Gute stiften! Eine Mutter, die wahrhaft christlich ist, hat das Herz ihrer Kinder, ihres Mannes und ihrer Untergebenen ganz in ihrer Gewalt; mit ihr ist ja Gott der Herr.
Dem Beispiele und den guten Worten einer christlichen Mutter müssen die Kinder folgen, und sollten auch Kinder durch fremde Verführung ausarten, so kehren sie wieder um, weil sie das nicht vergessen können, was die fromme Mutter in ihr Herz gepflanzt hat. 
Eine wahrhaft christliche Hausmutter ist auch der Schutzengel der Untergebenen. Wenn diese gottlos sind, können sie bei ihr nicht aushalten, sie müssen entweder weichen oder sich bessern; und sind sie fromm, dann finden sie an der guten Hausmutter eine wahre Mutter, Freundin und Trösterin*. 

Auch kann der Ehemann einer wahrhaft christlichen Frau und Mutter nicht widerstehen, er muss sie achten und lieben und ihrem Beispiele folgen. Ist der Ehemann auch roh, ist er gleichgültig und kalt in der Religion, will er von einem gottseligen Leben nichts wissen, so wird er doch nach und nach von dem schönen Beispiele seiner christlichen Frau gewonnen; er wird an Eifer zunehmen und die Heiligung erlangen. An König Malcholm ist dieses sichtbar. Aber die Frau und Mutter muss es, wie die heilige Margaretha, mit einem christlichen Leben wahrhaft ernstlich meinen und ihrem schönen Beispiele folgen.

O glückselig, dreimal glückselig das Haus, in welchem eine fromme Mutter waltet. O flehe, christliche Seele, zu Gott, dass er in seine Gnade alle Herzen der Frauen und Mütter mit seinem Geiste erfüllen, sie alle auf den Weg des Heiles führen, ihnen eine rechte Liebe zur Sanftmut, Demut, zum Gehorsam, zur Keuschheit, zur Friedfertigkeit, zum Gebet und zur Barmherzigkeit einflößen möchte, bald würden die Familien wieder christlich werden und durch sie das ganze Volk!
Gebet. Heilige Margaretha, bitte bei Gott für alle Frauen und Mütter, dass sie nach dem Willen Jesu all ihre Pflichten treu erfüllen und erkennen möchten, wie viel Gutes sie im Kreise ihrer Familien stiften könnten. O Maria, Mutter Gottes, hilf allen Müttern im Werke der Heiligung ihrer Männer und Kinder!
alles aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858

*Die hl. Margaretha war auch äußerst liebevoll im Umgang; ihre Liebenswürdigkeit war aber nicht ohne Strenge, so dass jene, die um sie waren, sie zugleich liebten und fürchteten.

Dienstag, 21. Mai 2013

Was von dem leichtsinnigen Gerede, „Ich will kein Heiliger werden", zu halten sei

Kürzlich bei der Gartenarbeit konnte ich das laute Gespräch dreier Passanten hören. Ein Mann um die sechzig erklärte den ihn begleiteten beiden Frauen, dass es so kalt sei, weil gerade die Eisheiligen seien und fügte hinzu, "ich bin kein Heiliger", worauf es schallendes Gelächter von allen dreien gab.
Da ich in einem Dorf in Oberbayern lebe, kann man davon ausgehen, dass es sich um drei Katholiken gehandelt hat. Eigentlich hätten alle drei in Tränen ausbrechen müssen, dass der Mann in diesem Alter noch kein Heiliger ist, denn im Himmel sind nur Heilige.
Aber es ist hier leider nicht selten, dass über Heilige Witze gemacht werden, was übrigens keine kleine Sache ist, denn die Heiligen sind die großen Freunde Gottes und wer sie verlacht, verlacht indirekt Gott, durch dessen Gnade, mit der sie eifrig mitgewirkt haben, sie erst so heilig werden konnten.

Stadtpfarrer Ott musste solches Verhalten schon vor 150 Jahren schwer tadeln:

Es gibt Leute, die wenn man sie zu einem christlichen Lebenswandel mahnt und von dem Wandel der Weltkinder abzuhalten sucht, gleich mit den Worten bei der Hand sind: „Ich will kein Heiliger werden." 
Ebenso gibt es Leute, welche diejenigen, die ein zurückgezogenes Leben führen und nicht alle Lustbarkeiten mitmachen, mit den Worten tadeln: „Ei, der will gar ein Heiliger werden!"

Was meinst du, christliche Seele? Sind diese Worte nicht höchst leichtsinnig und unüberlegt? 

Ich möchte doch gerne wissen, ob jemand, ohne heilig gelebt zu haben, in den Himmel kommt? In den Himmel wollen alle kommen; aber nun sagt Gott selbst: „Seid heilig, wie ich der Herr, euer Gott, heilig bin." Mos. 19. 
Es schreibt der Apostel Paulus: „Gott hat uns in Christo erwählt vor Grundlegung der Welt, daß wir heilig und untadelhaft seien vor ihm in Liebe" Ephes.5. 
Es ruft der hl. Apostel Johannes: „Wer gerecht ist, werde noch gerechter und wer heilig ist, werde noch heiliger," Offenbar. 22. Der gleiche Apostel sagt, dass nichts Unreines eingehen werde in das Himmelreich! 

Wie ist es also möglich, dass man ohne Heiligkeit eingehe in die Seligkeit? 

Heißt das Gerede: „Ich will kein Heiliger werden," nicht gerade soviel als: „Ich will nicht selig werden?" Da wären die Heiligen alle Toren gewesen, dass sie so sehr nach Heiligkeit gestrebt haben, wenn man auch ohne Heiligkeit selig werden könnte. 

Der hl. Priester Ivo dachte ganz anders. „Du musst ein Heiliger werden," war sein Wahlspruch und das Ziel seines Strebens; denn er wusste, dass er nur dadurch selig werden könne. Diejenigen, welche solche leichtsinnige Reden führen, betrügen sich gewaltig, wenn sie glauben, dass man ohne große Mühe und Anstrengung, ohne Trennung von den Eitelkeiten der Welt, ohne Übung heiliger Tugend, ohne bußfertiges Leben selig werden könne. 

Jeder Mensch muss ein Heiliger werden, d. h.er muß dem Vorbilde Jesu gleichförmig werden, muss seinen Worten und Beispielen folgen, muss demütig, sanftmütig, friedfertig, geduldig, barmherzig, reinen Herzens werden, muss sich überwinden, muss sich abtöten und seine Pflichten getreu erfüllen und zwar alles aus Liebe zu Gott, und darin besteht gerade die Heiligkeit. 

Zur Heiligkeit braucht man nicht Wunder zu wirken; denn dies ist eine besondere Gabe Gottes. Man kann auch, ohne Wunder zu tun, heilig und selig werden, aber nicht ohne einen heiligen Lebenswandel in den Himmel kommen.

Um mich deutlicher auszudrücken, sage ich dir: die Heiligkeit hat eigentlich drei Stufen. Die erste nehmen jene ein, die ohne Todsünde sind und den festen Willen haben, um keinen Preis eine solche zu begehen. Die zweite besteht in dem Streben, nach Kräften jede auch die geringste Beleidigung Gottes zu meiden; die dritte besteht endlich darin, aus Liebe zu Gott die größten und erhabensten Dinge zu tun und zu leiden. 

Die erste Stufe reicht an und für sich hin zur Seligkeit; aber mit ihr allein werden wenige selig werden, wenn sie nicht auch nach den beiden anderen streben, weil sie sich von Todsünden nicht enthalten können, wenn sie nicht auch entschlossen sind, geringe Sünden zu meiden und sich in guten Werken zu üben. 

Merke dir das, christliche Seele, und lasse dich durch ein solch leichtsinniges Gerede nicht täuschen. Sprich auch oft zu dir, wie der hl. Ivo: „Ich muss ein Heiliger werden." 
Wehe dir und mir, wenn wir es nicht werden und nicht nach allen Kräften danach streben, denn ohne Heiligkeit gibt es keine Seligkeit!!
Gebet. O Jesus, mein Heilig- und Seligmacher, flöße mir ein inniges Verlangen ein, dir nachzufolgen; denn ich will, ich muss heilig und selig werden. Amen.
aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858

Montag, 13. Mai 2013

Die Kunst, gut zu sterben, gelehrt vom hl. Kirchenlehrer Robert Bellarmin

Heute ist das Fest des hl. Kirchenlehrers und Bischofs Robert BellarminEbenso wie der hl. Kirchenlehrer und Bischof Alfons Maria von Liguori  hat er ein Buch über die Kunst gut zu sterben geschrieben. 

Beide Kirchenlehrer preisen diese Kunst als diejenige, die jeder Christ lernen muss, denn um in den Himmel zu kommen, muss man eines guten Todes gestorben sein, wie beide erklären. 


Es kann aber niemand eines guten Todes sterben, der schlecht gelebt, d.h. sich um Gott nicht gekümmert hat. 
Da jeder nur ein einziges Mal stirbt und sich danach beim persönlichen Gericht die ganze Ewigkeit  Himmel oder Hölle – entscheidet, sollte man möglichst seine ganze Zeit hier auf Erden in das Erlernen dieser Kunst stecken. 

Das Buch des hl. Robert Bellarmin 
Etwas für alle oder die Kunst gut zu sterben ist hier kostenlos zu lesen und herunterzuladen. Kapitel zwei beschäftigt sich damit, wie man der Welt absterben muss. 



Es gibt eine Zeit zum Reden und eine Zeit zum Schweigen

„Es gibt eine Zeit zum Reden und eine Zeit zum Schweigen." Pred. 3, 7. 
Der hl. Johannes war ein besonderer Freund des Stillschweigens, er tat dies aber nur, um desto mehr mit Gott im Gebete reden zu können, um immer gesammelten Geistes zu sein und mit seiner Zunge nicht anzustoßen. 
Aber du musst nicht denken, dass Johannes gar kein Wort geredet hat; er redete, aber zur rechten Zeit. Es wäre ja ein Fehler, zu schweigen, wo man reden musswie es ein Fehler ist, zu reden, wo man schweigen soll.

O wie zahlreich und wie groß sind oft die Sünden, welche mit der Zunge geschehen; mit Recht nennt der hl. Jakob die Zunge eine Welt voll Ungerechtigkeit; und betet der weise Mann (22,23): 
„Wer stellt vor meinen Mund eine Wache und drückt auf meine Lippen ein festes Siegel, dass ich durch sie nicht falle und meine Zunge mich nicht ins Verderben stürze!"
Wann aber soll man reden; oder welches sind die Regeln des Redens, um nicht anzustossen? Die Heiligen geben folgende an:

1) Soll man reden nach reiflicher Überlegung. „Jedes Wort werde zuerst erwogen, dann gesprochen," schreibt der hl. Augustin. 

„Der Toren Herz ist in ihrem Munde" heißt es im Buche Sirach 2l, 29, d. h. die törichten Menschen schwätzen, ohne zu denken, sie reden nur, um reden zu können. 
„Von jedem unnützen Worte aber musst du Rechenschaft geben", sagt Jesus.

2) Soll man nur reden, was ehrbar ist und das mit reiner Absicht zur Ehre Gottes und zum Heile der Seelen. Gar manche, sagt der hl. Bonaventura, reden Gutes und Frommes, aber aus Eitelkeit!!

3) Soll man beim Reden bedenken, zu wem und vor welchen Leuten man redet;

4) Soll man immer zur rechten Zeit reden; wenn nämlich das Reden einen Nutzen bringt und Schweigen eine Sünde wäre.

5) Soll man mit sanfter Stimme reden, mit heiterem Gesicht; und im Zorne und bei aufgeregtem Gemüte schweigen, bis die Ruhe wieder eingekehrt ist.

Übrigens ist es immer besser, nicht viel zu reden und gerne zu schweigen. Das Schweigen wird dich selten, wohl aber oft das Reden reuen, und wegen des Schweigens wirst du gewiss einst nicht so gestraft werden, als wegen des Redens. 
Daher hat auch der hl. Arsenius öfters ausgerufen: 
„Oft hat es mich gereut, gesprochen, aber nie, geschwiegen zu haben." 
Entschließe dich daher, deine Zunge beständig zu bezähmen; gelingt es dir, dann hast du ein großes Werk vollbracht. Mache daher öfters ein Kreuz auf deinen Mund und denke: 
„O mein Gott, ich weihe dir meine Zunge; ich will sie nicht anders als zu deiner Ehre gebrauchen, hilf mir, daß ich sie bezähme!!"
alles aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858


Montag, 29. April 2013

Warum man Stillschweigen üben sollte

Der Freund des Stillschweigens ist ein Freund der Weisheit, und dadurch, dass er lieber mit Gott als mit den Menschen redet, lernt er Mäßigung in den Worten, welche ihn nicht nur klug, sondern auch so vollkommen macht, dass andere ihn bewundern, weil schweigen können und nur dann reden, wenn man etwas besseres und vornehmeres weiß, als schweigen, den Hauptpunkt der Tugend ausmacht, und unter die Seltenheiten aller Jahrhunderte gehört.

alles aus: Erinnerungen großer Religionswahrheiten und heiliger Begebenheiten, zur Erwägung auf alle Tage von P. Friedrich Sturmlehner, 1820, online ganz zu lesen hier


Sonntag, 14. April 2013

Nicht den Schlafenden, sondern den Eifrigen werden die göttlichen Wohltaten gespendet

Papst Pius XII. wendete sich in seiner Enzyklika Mystici Corporis - Über den Mystischen Leib Christi auch gegen allerlei damals verbreitete Irrtümer. 
Die beiden folgenden Irrtümer sind wohl auch heute noch (oder schon wieder?) weit verbreitet, nämlich, das man nichts oder kaum etwas tun muss, um gerettet zu werden und zweitens, dass man nicht oft zum Beichten gehen muss, wenn man "nur" lässliche Sünden zu beichten hat:

"(...) Nicht weniger entfernt sich von der Wahrheit der gefährliche Irrtum derer, die aus unserer geheimnisvollen Verbindung mit Christus einen ungesunden Quietismus* herleiten wollen. 
Danach wird das ganze geistliche Leben der Christen und ihr Fortschritt in der Tugend nur der Wirksamkeit des Heiligen Geistes zugeschrieben unter völliger Verkennung und Beiseitelassung der persönlichen Mitwirkung, die wir Ihm schulden. 

Gewiß kann keiner leugnen, daß der Heilige Geist Jesu Christi die einzige Quelle ist, aus der alles übernatürliche Leben in die Kirche und ihre Glieder herabfließt. Denn die "Gnade und Glorie verleiht der Herr" (Ps, 83,12), sagt der Psalmist. 
Daß aber die Menschen beständig in den Werken der Heiligkeit verharren, daß sie unverdrossen in der Gnade und Tugend voranschreiten, daß sie selbst mannhaft zum Gipfel der christlichen Vollkommenheit emporstreben und auch andere nach Kräften dazu anspornen, das alles will der Geist Gottes nur dann wirken, wenn die Menschen selbst durch tägliches, tatkräftiges Bemühen ihren Teil dazu beitragen

"Nicht den Schlafenden", sagt der heilige Ambrosius, "sondern den Eifrigen werden die göttlichen Wohltaten gespendet" (Expos. Evang. sec. Luc. 4, 49: Migne, P.L. XV, 1626)

Wenn nämlich schon in unserem sterblichen Leib die Glieder nur bei ständiger Übung gesund und kräftig bleiben, so gilt das noch in viel höherem Grad vom gesellschaftlichen Leib Jesu Christi, in dem ja die einzelnen Glieder alle ihre persönliche Freiheit und Verantwortlichkeit behalten. 
Deswegen konnte auch derselbe, der das Wort aussprach: "Ich lebe, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2, 20), ohne Zögern behaupten: "Seine (d. h. Gottes) Gnade ist in mir nicht unwirksam geblieben, sondern ich habe mich mehr gemüht als sie alle; doch nicht ich, sondern die Gnade Gottes mit mir" (1 Kor 15, 10). Es ist demnach klar, daß durch jene falschen Lehren das Geheimnis, von dem Wir handeln, nicht dem geistlichen Fortschritt der Gläubigen, sondern in beklagenswerter Weise ihrem Verderben dienstbar gemacht wird.

Dasselbe geschieht auch durch die falschen Anschauungen jener, die behaupten, man dürfe die häufige Beichte der läßlichen Sünden nicht so hoch einschätzen; das allgemeine Sündenbekenntnis, das die Braut Christi Tag für Tag zusammen mit den ihr im Herrn vereinten Kindern durch die Priester am Fuß des Altares ablege, sei ihr vorzuziehen. 
Gewiß können solche Sünden, wie euch bekannt ist, Ehrwürdige Brüder, auf mannigfache, höchst lobenswerte Weise gesühnt werden. 

Aber zum täglich eifrigeren Fortschritt auf dem Wege der Tugend möchten Wir angelegentlichst den frommen Brauch der häufigen Beichte empfohlen wissen, der nicht ohne den Antrieb des Heiligen Geistes in der Kirche eingeführt wurde. Wird doch durch ihn die Selbsterkenntnis gefördert, die christliche Demut vertieft, die sittliche Schwäche an der Wurzel gefaßt, die geistliche Nachlässigkeit und Lauheit bekämpft, das Gewissen gereinigt, der Wille gestärkt, eine heilsame Seelenleitung ermöglicht und kraft des Sakramentes die Gnade vermehrt. 

Mögen also die, welche in den Reihen des jüngeren Klerus die Hochschätzung der häufigen Beichte zu verringern und herabzusetzen suchen, wohl bedenken, daß sie eine Sache betreiben, die dem Geiste Christi fremd und für den mystischen Leib unseres Heilandes ein Unsegen ist.
(...)"
* Anmerkung von mir: Der Quietismus ist eine im 17. Jahrhundert von Rom verurteilte Irrlehre, aufgebracht vom Priester Miguel de Molinos, nach der fast jede Aktivität vonseiten des Menschen unerwünscht war, man durfte z. B. nicht einmal Gott um etwas bitten oder Ihm Dank sagen. 
Papst Innozenz XI., verurteilte neben diesem 67 weitere quietistische Irrtümer.

Siehe auch: Warum man sich auch vor lässlichen Sünden hüten mussvom heiligen Kirchenlehrer Alphons Maria von Liguori
und
... heilig musst du werden - und fange heute noch an!


Freitag, 12. April 2013

Von der aufrichtigen geraden Gesinnung bei allem Tun und Lassen

Am heiligen Märtyrer Sabas kannst du, christliche Seele, das schöne Muster eines aufrichtigen, geraden Sinnes sehen. Er hasste Falschheit, Verstellung und Heuchelei. 

Wie er innerlich dachte, so redete er; kurz und bündig waren seine Worte, Menschenfurcht kannte er nicht. Er hätte leicht der Verfolgung dadurch entgehen können, wenn er sich gestellt hätte, als esse er vom Opferfleische. Aber diese Verstellung war ihm ein Greuel.

Er dachte an das allsehende Auge Gottes, das Herzen und Nieren durchforscht, und des Gerichtes über den, der verkehrten Herzens ist. Es steht ja geschrieben, da ssnichts verborgen ist, was nicht offenbar wird und nichts verheimlicht, was nicht gewusst werden wird. Luk. 1, 2.
Hatte er einen Heuchler gemacht und sich verstellt, was hätte es ihm auch viel geholfen? Er hätte dann sein Leben noch einige Jahre gefristet, aber wie wäre es ihm ergangen bei seinem Tode? Hätte er wohl mit Zuversicht vor dem Angesichts des gerechten Richters erscheinen können? 

Bedenke dieses, christliche Seele, und bewahre immer eine gerade, aufrichtige Gesinnung, d. h. handle immer nach deinem Gewissen und den unveränderlichen Geboten Gottes und seiner heil. Kirche; Herz, Mund und That sollen immer bei dir zusammenstimmen. 

Was du im Lichte des heil. Glaubens als recht, wahr und gut erkennst, das rede, das tue, das verteidige, das nimm in Schutz ohne Furcht und Zagen und Gott, der die Einfalt liebet, wird mit Wohlgefallen auf dein Herz sehen. 

Fliehe daher immer und allzeit Heuchelei und Verstellung, womit du nie etwas gewinnst. Menschen kannst du damit täuschen, Gott aber nicht. Du musst dich vor dir selbst schämen, sobald du einen Heuchler machst und es würde an dir wahr werden, was geschrieben steht: „Einem Herzen, das doppelte Wege einschlägt, wird nichts gelingen, und wer verkehrten Herzens ist, findet darin seinen Untergang." Sir. 3,28. 

Besonders in jetziger Zeit ist es notwendig, dass der katholische Christ offen und aufrichtig ohne Verstellung seinen heil. Glauben mit Wort und Tat bekennt. — 

O wie viele hängen innerlich noch am heil. katholischen Glauben, aber äusserlich suchen sie als aufgeklärt zu gelten; dagegen, wie viele haben innerlich keinen Glauben mehr, machen aber äußerlich die katholischen Gebräuche noch mit, wohnendem Gottesdienste bei, empfangen wohl auch noch die heil. Sakramente, weil sie doch noch für katholisch angesehen werden wollen, obwohl sie im Herzen vom Glauben abgefallen sind. 
Sage, lieber Leser, ist das nicht abscheulich? Wird Jesus solche Heuchler einst wohl als die Seinigen erkennen!? Was willst du also tun?

Willst du gerade und aufrichtig sein, oder auch so erbärmlich heucheln?! — Willst du ein katholischer Christ sein, so sei es ganz, sei es wahrhaft, sei es aufrichtig, wie Sabas und Gott wird mit dir sein. Mache daher gleich jetzt folgenden
Vorsatz. O Herr Jesus, der du gesagt hast, wer nicht für mich ist, der ist wider mich; ich verspreche, immer ganz entschieden aufrichtig und gerade zu sein im Glauben und im Wandel. Ich will offen ohne Scheu und Furcht, ohne Verstellung mich immer als ein Kind deiner heiligen Kirche zeigen; hilf mir nur, dass ich es auch vollbringe.
alles aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858


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