Posts mit dem Label induktiv werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label induktiv werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 13. Februar 2015

Kardinal Marx gibt englischsprachigen Katholiken Ärgernis, vergleicht "klare Positionen" mit "Terrorismus"

Die katholische Korrespondentin von Lifesitenews, Hillary White, berichtete jüngst, dass Kardinal Marx in einer Vorlesung an der Stanford-University junge Katholiken, die „wieder traditioneller sind“ und „klare Positionen beziehen möchten“ mit „Schwarz-Weiß-Populismus, der der Beginn des Terrorismus ist“ in einem Atemzug genannt hatte.
Bei den Amerikanern war daher angekommen: „Kardinal Marx, enger Berater des Papstes, vergleicht junge, traditionstreue Katholiken mit Terroristen", was zu ziemlicher Verärgerung unter den treuen (jungen und alten) Katholiken geführt hatte.

Kardinal Marx ist übrigens nicht nur "enger Berater des Papstes" in seiner Funktion als "C8/C9"-Kardinal, sondern seit 2012 auch Präsident der  Kommission der Bischofskonferenzen der EU.


Von einer "Schwarz-Weiß-Rhetorik" fühlt sich Kardinal Marx schon mindestens seit 2012 verfolgt: 
Der Münchner Erzbischof über steigende Anfälligkeit 'für eine schlichte Schwarz-Weiß-Rhetorik' - 'Radikale katholische Internetseiten' lese er nicht.
Und obwohl "er selber das klare Wort nicht scheut“, möchte er anderen offensichtlich Sprechverbote auferlegen und mag es einfach nicht, wenn jemand in unklarer Lage klare Verhältnisse anstrebt:
Marx: Ich bin selber nicht bekannt als jemand, der das klare Wort scheut. Aber eine gewisse Differenzierung müsste doch in einer kirchlichen Debatte da sein. Stattdessen steigt die Anfälligkeit für eine schlichte Schwarz-Weiß-Rhetorik. Man will klare Verhältnisse, so unklar die Lage oft auch ist.
2014 ermutigte er zu „Mündigkeit im Glauben“, laut der Überschrift einer Pressemitteilung seines Erzbistums, diesmal hatte zum „Schwarz-Weiß-Denken" auch noch der „Populismus“ Einzug gehalten:
„In der heutigen komplexen und unübersichtlichen Zeit brauchen wir mündige Entscheidungen, die geprägt sind von einem erwachsenen Glauben“, so Marx. „Schwarz-Weiß-Denken und Populismus“ seien dagegen fehl am Platze.
Zum „mündigen, erwachsenen Glauben“ lassen sich die englischsprachigen Katholiken nicht zweimal aufrufen und finden daher, der Kardinal wende "Schwarz-Weiß-Denken" und "Populismus" gegen solche Katholiken an, die er selbst ihrer „klaren Positionen“ wegen nicht leiden kann.

Aber gegenüber „Homosexuellen“ wollte Kardinal Marx 2014 kein „Schwarz-Weiß-Denken“ angewandt sehen:

Zur Frage der Homosexualität erklärte Kardinal Marx, es müsse immer der Einzelfall betrachtet werden. 
Ein Paar, das seit 30 Jahren in Liebe zusammenlebe und der eine Partner den anderen in Krankheit oder Alter pflege, könne in seinem Wesen nicht einfach als negativ beurteilt werden. 
Das Bemühen um Keuschheit oder Treue entsprächen nicht dem Ziel, doch gebe es kein „schwarz und weiß“ in der Welt. Als junger Priester habe er in Gesprächen mit Homosexuellen einen Weg finden müssen, damit eine Reifung und Verbesserung erfolge.
Man erkennt deutlich, auch der Kardinal bemüht - wie Papst Franziskus -  „den Einzelfall", d. h. die unkatholische, induktive „Sehen-Urteilen-Handeln-Methode“ (zur Beurteilung des "Einzelfalls"), die seit dem Konzil das katholische Denken, das Verhaltensregeln immer von der unveränderlichen Doktrin und nicht vom Einzelfall ableitet, zerstört bzw. ersetzt hat.

Wenn man das in einem bestimmten Fall notwendige Verhalten (d. h. das, was jemand tun soll oder muss, um nicht oder nicht mehr weiter zu sündigen) von der Doktrin ableitet, wie es immer in der katholischen Kirche gemacht wurde, bis die Herren kamen, die alles "neu" machen wollten, kommt man zwangsläufig zu "klaren Positionen", die heutzutage allzu viele in der Hierarchie mit "Schwarz-Weiß-Denken" oder auch mit "unerträglichen, engstirnigen Regeln" zu verwechseln scheinen.

Zusätzlich zu Kardinal Marx Vorlesung an der Stanford University hatte die Lifesitenews-Korrespondentin sich sein Interview mit dem Jesuiten Magazin America durchgelesen und berichtet, dass er darin erneut lobende Worte für „homosexuelle praktizierende Katholiken" fand, die „in einer lebenslangen Partnerschaft leben möchten“.

Darauf fragte sich eine amerikanische mündige Bloggerin, die sogar schon Großmutter ist, ob die Häufigkeit, mit der Kardinal Marx homosexuelle „Beziehungen“ lobt, etwas mit ihm selbst zu tun haben könnte.


Siehe auch:
Vatikan: Input für Bischofssynode 2015 soll nicht nur auf Doktrin basieren


Dienstag, 30. Dezember 2014

„Das Leben der Frauen heute“ beim Päpstlichen Rat für Kultur und der Familiensynode


Unter amerikanischen Katholiken und Katholikinnen gab es schon vor einiger Zeit ziemliche Aufregung über ein Video mit dem Titel Call #LIFEOFWOMEN, produziert vom Päpstlichen Rat für Kultur. 

Vielleicht ist das der Grund, warum der Vatikan die englische Version von YouTube zurückgezogen hat und nur noch die italienische Version auf der Vatikanwebsite zu sehen ist, allerdings zusammen mit dem Text des englischen Videos erklärt. 

John Vennari von Catholic Family News  hat aber die oben zu sehende Kopie des englischsprachigen Videos „gerettet" und auf seinem YouTube Kanal hochgeladen.

Die Frau, die im Video zu sehen ist, entspricht in keiner Hinsicht dem überlieferten katholischen Frauenbild. Die unglaublichen künstlichen Wimpern, die wulstigen, weil aufspritzen Lippen und die offensichtlich operierte Nase zusammen mit den blond gefärbten Haaren erinnern eher an eine gealterte Version der „Barbie“-Puppe. 

Eine Zeit lang habe ich mich sogar gefragt, ob das überhaupt eine Frau ist, in Zeiten von weltweit verbreiteten Transgender-OPs, mit deren Ergebnissen das Modell im Video erstaunliche Ähnlichkeit hat.

Diese blondierte Frau ruft im Video dazu auf, Links zu Bildern oder Kurzfilmen in den Vatikan zu senden, die Frauen in ihrem modernen Leben zeigen und die sie vorher im Internet hochgeladen haben. 

Aus diesen Beiträgen werden dann einige ausgesucht und auf dem zweiten Teil der Familiensynode im Februar 2015 den Bischöfen vorgestellt und auch in einen Kurzfilm für YouTube eingeschnitten.

Wenn man sieht, woraus der päpstliche Rat für Kultur entstanden ist und wenn man den Text dieses Aufrufs liest, sieht es so aus, als richte sich der Aufruf sogar nicht nur an Katholikinnen.

Mit "You are important!", Du ist wichtig! schließt der Aufruf.

Ganz klar handelt es sich hier wieder um ein induktives Herangehen an bestimmte Problemstellungen, d. h. aus Einzelfällen wird auf das Ganze verallgemeinert. 
Aus den eingeschickten Filmen und Fotos sollen laut Vatikan von einer Jury die passenden ausgesucht werden. Es ist unschwer zu erahnen, dass diejenigen ausgesucht werden, die in die Richtung zeigen, die in diesem Jahr schon überdeutlich vorher gezeichnet wurde.

Katholisch wäre ein deduktives Vorgehen, d. h. man stellt das katholische Frauenbild, das sich seit 2000 Jahren nicht verändert hat und das seine Wurzeln schon im Alten Testament hat, den heutigen, von der modernen Pop-Kultur seit Jahrzehnten indoktrinierten Frauen vor.  
Dann sagt man ihnen, wo sich sich diesem von den Aposteln überlieferten Frauenbild angleichen sollen und müssen, wenn sie in den Himmel kommen wollen. 
Man leitet also aus dem letztlich von Gott vorgegebenen Ideal entsprechende Verhaltensregeln für den Einzelfall ab.

Dieses deduktive katholische Vorgehen ist aber nicht mehr gewünscht, denn heutzutage soll sich die Kirche der modernen Welt angleichen oder wie es mittlerweile offensichtlich wird, soll die Kirche nach dem Willen einflussreicher hoher Kirchenmänner die Grundsätze der vollkommen unsittlich gewordenen Welt sogar verkünden, und zwar unter dem Tarnmäntelchen der "Kasper´schen Barmherzigkeit". 

Die Angleichung an die Grundsätze der Welt geht schon seit über 50 Jahren so, aber unter Papst Franziskus hat dieser Zug noch mal zusätzliche Fahrt aufgenommen.

Nicht zufällig entspricht das Frauenbild, das die sprechende Barbiepuppe im modernen vatikanischen "Kultur"-Video verkörpert, demjenigen, das die UN seit ihrer Gründung 1945 in Europa, Amerika, Australien und in Teilen Asiens via UNESCO und ihrer anderen Sonderorganisationen hat propagieren lassen.



Nachtrag: Wer an einem Kurzfilm mitmachen möchte mit dem Inhalt, wie für ihn als traditionstreuem Katholiken das Leben unter dem Pontifikat von Papst Franziskus ist, der kann bis zum 20. Januar 2015 seine Links an die in dem zweiten Video "#Life ofCatholics" hier angegebene E-Mail senden. ;-)

Nachtrag II: Das Video oben wurde nicht für die Familiensynode produziert, sondern vom Päpstlichen Rat für Kultur für die (inhaltlich aber verbundene) "Plenary Assembly", die sich mit "Women's cultures: equality and difference" beschäftigt vom 4-7 Februar 2015.

Siehe auch:
Vatikan: Input für Bischofssynode 2015 soll nicht nur auf Doktrin basieren
und 

Papst Franziskus "induktiver" Kampf gegen "die rechte Szene in der Kirche"
und
Was haben das Konzilsdokument "Gaudium et Spes" und die Enzyklika "Mater et Magistra" mit der Familiensynode zu tun?

und
Papst Franziskus Sieg auf ganzer Linie: Der erste Erzbischof hat den Hauptvorschlag des Synodenprogramms schon umgesetzt
und
Nur Röcke
und
'Bildung für das Leben in der Weltgesellschaft'




Mittwoch, 10. Dezember 2014

Vatikan: Input für Bischofssynode 2015 soll nicht nur auf Doktrin basieren

Das berichtete das ultraprogressive und immer bestens informierte Magazin National "Catholic" Reporter gestern freudig.

Meine Übersetzung, kursive Hervorhebungen auch von mir:

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren hat der Vatikan die nationalen Bischofskonferenzen aufgefordert, Input von Katholiken "auf allen Ebenen" zu suchen, wie die Kirche auf manchmal schwierige Fragen des modernen Familienlebens wie Scheidung und Wiederheirat reagieren sollte. 
In einem Vorbereitungsdokument für ein weltweites zweites Treffen der katholischen Bischöfe zum Familienleben, hat der Vatikan außerdem betont, dass Barmherzigkeit benötigt wird, um auf solche schwierigen Situationen zu reagieren - und hat die Bischöfe sogar aufgefordert, zu vermeiden, dass ihre pastorale Sorge ausschließlich auf der derzeitigen katholischen Lehre basiert.
 (später in dem Artikel - siehe Verlinkung oben - wird die betreffende Stelle aus dem vatikanischen Vorbereitungsdokument zitiert)
Mein Kommentar: Papst Franziskus lässt gerade Brandbomben auf die Kirche werfen.

Katholisches.info berichtet auch darüber und fragt:

„Gibt es eine von der Lehre unabhängige Pastoral?“

Mein Kommentar
dort:

Ja, die gibt es, leider. 
Es ist die "Sehen, Urteilen, Handeln"-Methodik oder "see, judge, act"-method, mit der seit 50 Jahren die Kirche gesprengt wird und die besonders von der Befreiungstheologie (bedeutet übersetzt "Befreiung von der Theologie") benutzt wird.

Jeder "progressive Katholik" weiß das und kennt diese Methode. Bei diesen bzw. in einem Buch des Papstlehrers J. C. Scannone S.J., dem Erfinder der argentinischen Befreiungstheologie "Theologie des Volkes" (interessanter Begriff), habe ich das auch zum ersten Mal gelesen und dann gegoogelt. 

(Beim zweiten Papstlehrer, Lucio Gera, "erwächst die Theologie sogar gleich aus der Pastoral".)

Bei dieser "sehen, urteilen, handeln"-Methode wird nicht von der katholischen Lehre (deduktiv) ausgegangen und die entsprechende Lösung des Falles abgeleitet, sondern von Einzelfällen ausgehend (induktiv) wird verallgemeinert.

Beispiel: 


„Wiederverheiratete Geschiedene“ sind Ehebrecher, denn eine gültige Ehe kann nicht geschieden werden. Sie müssen daher ihren Ehebruch beenden (!) und bereuen und beichten, wie die katholische Lehre sagt und fordert. 
Dann können sie jederzeit wieder zur heil. Kommunion gehen, sofern sie sich nicht einen neuen Ehebruch suchen oder den alten wieder auffrischen oder eine andere Todsünde begehen.
Das wäre die deduktive Vorgehensweise, die aus der Doktrin die Pastoral ableitet.

Warum müssen generell Todsünder sofort aufhören zu sündigen? 

Weil Gott unser aller Heiligung will und es ein Dogma ist, dass eine einzige unbereute ungebeichtete Todsünde ausreicht, um jemanden nach seinem Tod auf ewig in die Hölle zu bringen. Denn eine Todsünde löscht sofort die heiligmachende Gnade aus, ohne die keiner den unvorstellbar heiligen Gott in der Ewigkeit wird sehen können.
Und da niemand weiß, wann er sterben muss, sollte man einen Todsünder schon drängen sich zu bekehren, das ist ein Akt der geistlichen Barmherzigkeit.
Einfach zu verstehen und einleuchtend oder? Nicht für die heutige Besetzung des Vatikans, denn:

Das gefällt nicht mehr, weil zu hart, wie Kardinal Kasper, der handverlesene Chef-Theologe der päpstlichen "neuen Barmherzigkeit", ja im Video neulich zugab und daher sind „wiederverheiratete Geschiedene“ durch die induktive Vorgehensweise jetzt Menschen, die einen "gescheiterten Lebensentwurf" hinter sich haben, denn: scheitert nicht jedem mal was? 
Dieses Scheitern bereuen sie zwar , aber jetzt haben sie auch Kinder mit dem "neuen Ehepartner" und man "liebt sich" doch und kann sich nicht trennen und alle leiden so furchtbar, dass sie nicht zur Kommunion gehen dürfen, da kann man ihnen nicht auch noch sagen, dass sie in fortgesetzter Todsünde leben, sondern da muss der „Pastor der Kasper´schen neuen Barmherzigkeit“ einspringen, um sie zu "integrieren". 
So Kardinal Kasper im Video, außer dass er natürlich nicht gesagt hat, dass das eine induktive Vorgehensweise ist, die die katholische Lehre völlig außer Acht lässt.

Wie das „Integrieren“ dann geht, erklärt Papst Franziskus im neuesten argentinischen Interview:

„Im Fall der wiederverheiratet Geschiedenen: Was machen wir mit ihnen, welche Tür kann man öffnen? 
Es gibt eine pastorale Unruhe: Also geben wir ihnen die Kommunion? Es ist keine Lösung, ihnen die Kommunion zu geben. Das allein ist nicht die Lösung. Die Lösung ist die Integration. 
Sie sind nicht exkommuniziert, sicher. Aber sie dürfen nicht Taufpaten sein, sie dürfen in der Messe die Lesungen nicht lesen, sie dürfen die Kommunion nicht austeilen, sie dürfen den Katechismus nicht lehren, sie dürfen sieben Dinge nicht tun. Ich habe die Liste hier. Schluß! Wenn ich das erzähle, würden sie wirklich wie Exkommunizierte wirken! Also, die Türen etwas weiter öffnen.“ 
(Quelle für die deutsche Übersetzung)
Papst Franziskus arbeitet immer so und hat dieses Vorgehen früher schon per CELAM (Lateinamerikanische Bischofskonferenz) in ganz Lateinamerika eingeführt.

Wer das alles weiß, muss nicht mehr so viel rätseln und wird sich auch nicht von der neuen anti-katholischen induktiven "Pastoral" verführen lassen:

Papst Franziskus "induktiver" Kampf gegen "die rechte Szene in der Kirche"

Schon vor über fünfzig Jahren wurde dieses anti-katholische und nicht von der kirchlichen apostolischen Tradition gedeckte, induktive "Fallstudienverfahren", das aus Harvard (!) kommt, eingeführt:
Was haben das Konzilsdokument "Gaudium et Spes" und die Enzyklika "Mater et Magistra" mit der Familiensynode zu tun?


Es war diese Einführung ein genialer Streich, um komplett die katholische Lehre aus den Köpfen der Laien und auch der Priester auszuradieren. Die letzten noch verbliebenen Reste der katholischen Lehre in den Köpfen werden jetzt ganz "offiziell" im Namen der "neuen Barmherzigkeit" ausradiert. 

Wer weiß schon noch, dass "die Sünder zurechtweisen" und "die Unwissenden belehren", zwei echte Werke der geistlichen Barmherzigkeit entsprechend der mittlerweile selbst im Vatikan verpönten katholischen Lehre sind?

Die "neue Barmherzigkeit" jedenfalls kommt vom falschen Geist und führt Scharen in die Hölle, wo es auch schon genügend Bischöfe und Priester geben soll.

Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe.










Freitag, 31. Oktober 2014

Was haben das Konzilsdokument "Gaudium et Spes" und die Enzyklika "Mater et Magistra" mit der Familiensynode zu tun?

Die Familiensynode unter Papst Franziskus benutzte ausschließlich den Dreischritt: Sehen, Urteilen, Handeln.

Das Konzilsdokument Gaudium et Spes (Über die Kirche in der modernen Welt) führte diesen Dreischritt "Sehen, Urteilen, Handeln", der, wie hier beschrieben, ursprünglich von den "Harvard-Case-Studies" kommt, zum zweiten Mal "offiziell" in die katholische Kirche in. 


Dass das in diesem Konzilsdokumemt eingebaut ist, kann man allerdings nur erkennen, wenn interessante Progressive erklären (z.B. in diesem Buch*), was dort wirklich steht, und dass das für sie ungeheuer wichtig, weil ungeheuer revolutionär war und eine "monumentale Änderung der Methodik" darstellte. 


Was war die monumentale Änderung? 

Damit wurde von der bis dahin immer angewendeten deduktiven Methode, die die katholische Lehre in den Mittelpunkt stellt und nur von dieser Lehre Anweisungen für den Einzelfall ableitet (top-to-bottom) zur induktiven Methode gewechselt, die den Einzelfall in den Mittelpunkt stellt und von ihm Anweisungen ableitet (bottom-to-top).

Hier das Konzilsdokument, fett ist der darin erkennbare Dreischritt:

DIE SITUATION DES MENSCHEN IN DER HEUTIGEN WELT

4. Hoffnung und Angst

Zur Erfüllung dieses ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, 

nach den Zeichen der Zeit zu forschen 

und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. 

So kann sie dann in einer jeweils einer Generation angemessenen Weise auf die bleibenden Fragen der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens und nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben. 

Es gilt also, die Welt, in der wir leben, ihre Erwartungen, Bestrebungen und ihren oft dramatischen Charakter zu erfassen und zu verstehen.

http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html

Die "Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums zu deuten", bedeutet in der Praxis leider Teile des Evangeliums - im protestantischer Manier -  ohne die dazugehörige lehramtliche Erklärung zu verwenden und dadurch den Sinn so zu verdrehen, dass er zum Einzelfall passt. 
Aktuell ist das z. B. bezüglich "wiederverheirateter Geschiedener" die Behauptung, Gott sei immer allen Sündern barmherzig, wobei tunlichst verschwiegen wird, dass das nur für reumütige Sünder gilt, die vollkommen umkehren, d. h. von ihrer bisherigen Sünde in Zukunft lassen wollen.


In "Mater et Magistra" wurde der Dreischritt schon eingeführt

Zuerst wurde die induktive Methodik und damit der Dreischritt Sehen, Urteilen, Handeln in "Mater et Magistra" von Papst Johannes XXIII. eingeführt:
236. Die Grundsätze der Soziallehre lassen sich gewöhnlich in folgenden drei Schritten verwirklichen:  
Zunächst muß man den wahren Sachverhalt überhaupt richtig sehen;  
dann muß man diesen Sachverhalt anhand dieser Grundsätze gewissenhaft bewerten;  
schließlich muß man feststellen, was man tun kann und muß, um die überlieferten Formen nach Ort und Zeit anzuwenden.  
Diese drei Schritte lassen sich den drei Worten ausdrücken: sehen, urteilen, handeln.
http://www.vatican.va/holy_father/john_xxiii/encyclicals/documents/hf_j-xxiii_enc_15051961_mater_ge.html

Mater et Magistra wurde übrigens weltweit viel beklatscht von Progressiven, Freimaurern und Kommunisten.

Mit diesem Dreischritt wurde der Einzelfall und vor allem dessen subjektive Gefühle und "menschliche Erfahrungen in der jeweiligen Zeit" in den Mittelpunkt gestellt.

Die Anwendung dieses Dreischrittes in der Familiensynode führt dann in "der Welt, in der wir leben", dazu, dass Progressive titeln:
The biggest unreported synod influence: human experience.
übersetzt: 
Der größte Einfluss auf die Synode, über den nicht berichtet wurde: menschliche Erfahrung.

"Echte" menschliche Erfahrung im "hier und jetzt" war ja auch das, was Papst Franziskus mit seiner die Familiensynode einleitenden weltweiten Umfrage sammeln wollte.
Ewige Sammlung von rein subjektiven Einzelmeinungen und anschließende ewige Diskussion gehört nämlich zum Dreischritt-Teil "Sehen" dazu. 

Von der Verlagerung auf die subjektive Situation und Meinung werden wir in Zukunft wohl noch mehr sehen, denn damit kann man prima die immer objektive katholische Lehre schachmatt setzen.

* entsprechendes Zitat aus oben verlinktem Buch:
The same CELAM meeting brought another structural change of note: the conference would use a now famous methodology that would follow the trinomial of the Vatican Council Gaudium et Spes (The Church in the Modern World): facts/reflection/ recommendations. 
The change in methodology was monumental: it represented a shift from a perspective that was dogmatic, deductive and top-to-bottom to one that was exploratory, inductive, and bottom-to-top. 
If nothing more than this structural change had been made, a giant step would have been taken. In fact, much more advancement than just methodological would be achieved.
http://opcentral.org/resources/2014/09/05/chapter-2/

Sonntag, 26. Oktober 2014

Papst Franziskus "induktiver" Kampf gegen "die rechte Szene in der Kirche"

Seit vier Stunden versuche ich einen Post über "induktiv versus deduktiv" bzw. den "Dreischritt: Sehen, Urteilen, Handeln, " zu machen. 
Beides bezeichnet die nicht mehr neue Methodik, mit der seit 50 Jahren die Kirche "aufgebrochen" wurde, ohne dass die "Konservativen" diese Methodik bemerkt hätten.

Leider bin ich heute nicht in der Form, das in einem einzigen Post so unterzubringen, dass es jeder versteht, auch wenn er noch nie etwas davon gehört hat und es zu verstehen ist notwendig, wenn man erkennen will, was wirklich von den Progressiven durchgeführt wird.

Dabei verändern sie nicht die kirchliche Lehre, diese Beteuerung konnte ich heute wieder von ihnen lesen. "Wer das denkt, der irrt!" So versichern die Progressiven landauf, landab und weltweit in Interviews und Artikeln. 
Das stimmt nur bedingt, denn sie haben auch schon die Lehre verändert.

Hauptsächlich aber setzen die Progressiven die katholische Lehre schachmatt. 

Und das machen sie mit der induktiven Herangehensweise an Einzelfälle, einer Methodik, die sie eben auch in die schön und harmlos klingenden Worte "sehen, urteilen, handeln" kleiden.*

Das kommt übrigens alles 
aus Harvard und mit dieser Methodik hat man in den letzten Jahrzehnten nicht nur die Kirche "aufgebroch
en".

Weiß ich alles von den interessanten Progressiven, die z.B. hier darüber berichten.

Im folgenden Zitat spricht der Ex-Misereor-Chef Josef Sayer (Misereor ist eine FBO, der ich ebenso wie "Adveniat" keinen Cent für ihr aufbrecherisches Werk geben würde).

Jeder sollte mal genau überlegen, was Herr Prof. Sayer da wohl ganz genau sagt. Wenn man was nicht versteht, sollte man danach googeln. 

Wenn das alle „konservativen" Katholiken machen würden, könnten die Progressiven sie nicht mehr so leicht ausschmieren wie in den vergangenen fünf Jahrzehnten, als sie noch nicht alles über sich und ihre akribisch geplante Kirchenzerstörung mit Harvard-Methoden ins Internet gestellt hatten.
Der neue Papst ist ein Teamspieler? 
Ja, und er kann auf andere hören, deren Meinungen und Positionen aufnehmen und zum Wohl des Ganzen zusammenführen. Die Konferenz in Aparecida hatte unter dem Mitwirken Bergoglios ganz bewusst den Dreischritt „Sehen – Urteilen – Handeln“ als Methode gewählt, obwohl einem Teil der Bischöfe das gar nicht passte. 
Was soll man denn gegen dieses Vorgehen haben? 
Ha, was glauben Sie! Die ganze rechte Szene war dagegen und beharrte darauf, zunächst die kirchliche Lehre darzustellen und daraus Ableitungen für das Leben zu treffen. 
„Sehen – Urteilen – Handeln“ geht umgekehrt vor: 
Erst die Situation und das Leben analysieren, also etwa die Lage der Menschen in Lateinamerika. 
Dann die Situation von der Botschaft des Evangeliums her bedenken. 
Und schließlich Empfehlungen für die kirchliche Praxis geben. (Quelle)

Morgen oder übermorgen wird erklärt, was der Ex-Misereor-Chefin dem Interview über die progressive Strategie genau gesagt hat, aber wie gesagt, selber forschen bildet.

Prof. Sayer ist übrigens Priester und war u. a. Professor für "Pastoraltheologie". Für die "Nachhaltigkeitsziele" der UN, sprich Agenda 21, hat er auch sieben Jahre gearbeitet, was nicht wundert, sondern  perfekt ins Bild passt.

*(googeln nach "Papst Franziskus  Sehen, Urteilen, Handeln, " oder "Pope Francis See, Judge, Act" lohnt sich)

Siehe auch:
Hans Küng: “Wir kontrollieren alles"
und
Was haben das Konzilsdokument "Gaudium et Spes" und die Enzyklika "Mater et Magistra" mit der Familiensynode zu tun? (Dort wurde die "induktive Methode" mit ihrem Dreischritt eingeführt.)
und
The Pyschotic Synod: "A Grave Malady of Intellect" (erklärt ausführlich "induktiv versus deduktiv" an Beispielen, leider nur auf Englisch)

und 
Das Harvard-Magazine erklärt die revolutionäre Geschichte der "Case-Studies", die 1870 erfunden wurden mit ihrem "induktiven" Vorgehen: 
Making the Case
Professional education for the world of practice








Montag, 13. Oktober 2014

Die Gestaltung einer "Neuen Kirche" durch Bischöfe: von Medellín nach Puebla

"Eine neue Kirche: Von Medellin nach Puebla." So heißt das zweite Kapitel aus dem 1985 veröffentlichen Buch „Crisis and Change“ des Dominikaners Edward L. Clearly, O.P., hochgeladen von einer Dominikanerprovinz und als Ganzes online lesbar. 

Medellín und Puebla sind die Orte an denen 1968 und 1979 die lateinamerikanische Bischofskonferenz CELAM tagte. 

Mir ist schon länger klar, dass vor allem mit Hilfe der lateinamerikanischen Bischöfe die katholische Kirche „aufgebrochen“ wurde, hatte leider bloß keine Zeit darüber zu schreiben. 

Nach 1985 hatte die „Abteilung Weltkirche“ der Deutschen Bischofskonferenz stark Einfluss auf die Entwicklung in Lateinamerika genommen, und zwar über die Entwicklung einer neuen "katholischen" Soziallehre via Befreiungstheologie.
Das steht nicht in dem verlinkten Buch, da es 1984 endet, aber in den Büchern, die ich mir besorgt habe, herausgegeben von den für das lateinamerikanisch-deutsche Projekt Hauptverantwortlichen, dem Papstkenner Prof . Peter Hünermann und Papstlehrer Juan Carlos Scannone SJ.

Ich kann nicht sehen, dass P. Clearly O.P. diese Entwicklung zu einer „Neuen Kirche“ bedauert, im Gegenteil, er begrüßt sie. 

Er beschreibt auch die spezielle Rolle des Jesuitenordens und der Befreiungstheologie bei der Entwicklung dieser „Neuen Kirche“.

Dass die ganze Veränderung schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts vorbereitet wurde, beschreibt er in Kapitel I, in dem er auch ausführlich die Rolle des Vatikanums II erklärt.

Die Progressiven wissen schon seit Jahrzehnten, was in der Kirche an neuen Veränderungen passiert ist und wie das bewerkstelligt wurde und was noch alles geplant ist. 

Wenn man etwas über die Kirchenkrise, die sie als „Veränderung“ und vor allem „Aufbruch“ bejubeln und deren Hintergründe erfahren will, muss man nur bei ihnen lesen.

Leider gilt seit Jahrzehnten für die meisten „Traditionskatholiken“ und die Kirchenkrise, das, was einer der Hauptführer der Progressiven, Hans Küng, gesagt hat und was seine einzige Aussage ist, der ich mich anschließen kann.

"Es war ein leichtes Spiel, es waren nur noch einige Details zu klären, die verärgerte Bande von reaktionären Abweichlern* von der neuen Ordnung hat nicht verstanden, was passiert ist und konnte nicht viel dagegen tun."
*Anmerkung von mir: hier sind ganz offensichtlich die dem Lehramt treuen Katholiken gemeint
Nachtrag: Ich vergaß zu sagen, dass die Entwicklung einer "Neuen Kirche" in Lateinamerika von aus Rom begleitet wurde. Die Arbeit von CELAM und die von ihnen eingeführte neue Methodik, die ihre Empfehlungen nicht mehr von der Dogmatik (deduktiv), sondern vom Einzelfall, von dem aus sie verallgemeinert (induktiv), ableitet, genannt "Sehen-Urteilen-Handeln-Dreischritt", stützt sich besonders auf das Konzilsdokument "Gaudium et Spes" (die Kirche in der modernen Welt).

Siehe auch:
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...