Mittwoch, 23. Januar 2013

Wie man recht und sündenfrei redet

"( ...) Möch­ten das doch auch wir von uns sagen kön­nen: wir reden recht!

Dafür gibt es drei Regeln, die ich Ihnen jetzt vor­tra­gen möchte. 


Ers­tens: Übe dich im Schwei­gen! 

Unsere Zeit ist ja so red­se­lig, so geschwät­zig. Heute wird alles zer­re­det, heute wird alles zer­schwätzt. „Heute fällt alles ins Was­ser und nicht mehr in tiefe, tiefe Bron­nen“, hat ein­mal Fried­rich Nietz­sche gedich­tet. So ist es. Geschwät­zig­keit in den Zei­tun­gen, im Fern­se­hen, im Rund­funk, Geschwät­zig­keit in den Ver­ei­nen, bei Zusam­men­künf­ten. Und doch sagt die Hei­lige Schrift: „Vie­les Reden geht nicht ohne Sün­den ab.“ Vie­les Reden geht nicht ohne Sün­den ab. 

Die Orden haben in ihrer Regel das Silen­tium, die Schwei­ge­pflicht, und das mit Recht. Wir haben im Pries­ter­se­mi­nar das Silen­tium, die Schwei­ge­pflicht, gelernt. Wir muß­ten schwei­gen bis nach der hei­li­gen Messe, und wir muß­ten schwei­gen vom Abend­ge­bet bis zur Nacht­ruhe. Wie war das heil­sam, die­ses hei­lige Schwei­gen, diese Dis­zi­plin im Reden! 
Im Buch von der Nach­folge Christi heißt es: „Es ist leich­ter, über­haupt nichts zu sagen, als zu reden und nicht zu feh­len.“ Es ist leich­ter, über­haupt nichts zu sagen, als zu reden und nicht zu feh­len. An einer ande­ren Stelle sagt das­selbe Buch: „Nie­mand kann ohne Gefahr den Mund zum Reden auf­tun, der nicht zu schwei­gen ver­steht.“ Nie­mand kann ohne Gefahr den Mund zum Reden auf­tun, der nicht zu schwei­gen ver­steht.

Die zweite Regel heißt
Sage grund­sätz­lich nicht ohne zwin­gende Gründe etwas Nach­tei­li­ges über deine Mit­men­schen. 

Ich wie­der­hole noch ein­mal: Sage grund­sätz­lich nicht ohne zwin­gende Gründe etwas Nach­tei­li­ges über deine Mit­men­schen. Wir kön­nen nicht immer über die Feh­ler des Nächs­ten schwei­gen. Manch­mal ist es not­wen­dig dar­über zu reden, manch­mal drängt uns das Herz dazu. Aber es müs­sen zwin­gende Gründe sein, um über den Nächs­ten etwas Nach­tei­li­ges zu sagen. Es muss sich um wirk­li­che Feh­ler han­deln. 

Das Ver­schwei­gen ist häu­fig weni­ger gefähr­lich als das Reden. „Sprich nie Böses von einem Men­schen, wenn du es nicht gewiß weißt“, schrieb ein­mal der Theo­loge Lava­ter. Sprich nie Böses von einem Men­schen, wenn du es nicht gewiß weißt. 
„Und wenn du es gewiß weißt, so frage dich: Warum erzähle ich es?“ Aus Gehäs­sig­keit, aus Scha­den­freude? Aus Wich­tig­tue­rei? Aus Geschwät­zig­keit? 
Ich möchte nicht miß­ver­stan­den wer­den. Es gibt Gele­gen­hei­ten, wo wir reden müs­sen, wo wir nicht schwei­gen dür­fen, wo hohe Werte auf dem Spiele ste­hen, wo wir die Gefahr sehen, die Men­schen oder einer Insti­tu­tion dro­hen. Dann müs­sen wir reden. 

Wenn wir hier nicht reden wür­den, dann würde für uns das Wort des Pro­phe­ten Isaias gel­ten: „Die Wäch­ter sind blind. Sie neh­men nichts wahr. Sie sind stumme Hunde, die nicht bel­len. Träu­mend lie­gen sie da und schla­fen am liebs­ten.“


Die dritte Regel, die ich emp­feh­len möchte, lau­tet: 
Meide die Gesell­schaft der Schwät­zer und der Klatsch­ba­sen! 
Die befreundeten Klatschbasen
Eugene de Blaas
Es ist auf die Dauer nicht mög­lich, mit sol­chen Men­schen zu ver­keh­ren, ohne dass man selbst zum Schwät­zer wird. Die Schwä­che wirkt anste­ckend. 
Von Seneca, dem Leh­rer Neros, ist das Wort über­lie­fert: „Sooft ich unter Men­schen gewe­sen, bin ich als gerin­ge­rer Mensch heim­ge­kehrt.“ „Sooft ich unter Men­schen gewe­sen, bin ich als gerin­ge­rer Mensch heim­ge­kehrt.“ Warum? Weil man der Red­se­lig­keit, der Geschwät­zig­keit sich erge­ben hat. 
Und im Buch von der Nach­folge Christi steht des beden­kens­werte Wort: „Ich wünschte, dass ich öfter geschwie­gen und nicht unter Men­schen gewe­sen wäre.“ „Ich wünschte, dass ich öfter geschwie­gen und nicht unter Men­schen gewe­sen wäre.“ 
Von Matt­hias Clau­dius, dem Dich­ter, den man­che von Ihnen ken­nen, stammt das Wort, das er an sei­nen Sohn Johan­nes schrieb: „Sage nicht immer, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst!“

Im Buche des hei­li­gen Evan­ge­li­ums nach Matt­häus steht das Wort: „Ich sage euch, dass die Men­schen über jedes unnütze Wort, das sie reden, am Tage des Gerich­tes wer­den Rechen­schaft legen müs­sen.“ Über jedes unnütze Wort! Nicht nur über jedes sünd­hafte, son­dern auch über jedes unnütze Wort müs­sen wir Rechen­schaft legen.

Ach, meine lie­ben Freunde, dass wir doch die Gabe der Rede benut­zen möch­ten, um zu trös­ten, um zu erfreuen, um zu ermun­tern und zu ermu­ti­gen, um zu beru­hi­gen und zu begü­ti­gen! Ach, dass wir doch mit unse­ren Wor­ten Frie­den brin­gen und Frie­den stif­ten möch­ten! Wenn der Pries­ter im Hoch­amt den Altar beräu­chert, da spricht er die schö­nen Worte: „Setze, Herr, eine Wache vor mei­nen Mund und einen Rie­gel vor meine Lip­pen!“
Amen.


alles aus der Predigt Jesus Chris­tus – das per­so­nale Wort Got­tes von Prof. Dr. Georg May



1 Kommentar:

Roger Michael hat gesagt…

Wie wahr wie wahr und wie wenig sind wir uns dies bewusst!

Vergelts Gott für diesen Artikel!

Roger

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