Montag, 15. September 2014

Das Leid ist die Feuerprobe des Menschen

(...) Gott hin­dert das mora­li­sche Übel nicht, weil er fähig ist, dar­aus Gutes her­vor­ge­hen zu las­sen. Er hin­dert es vier­tens auch des­we­gen nicht, weil der Mensch durch unge­rech­tes Leid erzo­gen, erprobt und bewährt wird. 

Der Schmerz ist nun ein­mal der große Leh­rer des Men­schen. Unter sei­nem Hauch ent­fal­ten sich die See­len. Wer nicht gelit­ten hat, was weiß der? So man­cher Mensch ist durch das Böse, das er began­gen oder erfah­ren hat, erschüt­tert und bekehrt wor­den, zu Gott zurück­ge­führt wor­den. Die Kir­che spricht nicht umsonst von der „glück­li­chen Schuld“, glück­lich, weil sie zum Umkeh­ren des Men­schen geführt hat. 

Das Leid ist die Feu­er­probe des Men­schen. Sie ist auch die Feu­er­probe der Reli­gion. Gott prüft die Echt­heit unse­res Glau­bens, unse­rer Hoff­nung, unse­rer Liebe. Und diese Prü­fung geschieht eben durch phy­si­sche Lei­den und mora­li­sche Übel. Erst in der Not zeigt sich, was im Men­schen steckt. 

Im Buche Tobias steht ein Wort, das ich Sie bitte, oft und oft zu beden­ken. Tobias hatte ja viele Lei­den erfah­ren, aber der Engel Raphael klärte ihn auf: „Weil du ange­nehm warst vor Gott, musste die Ver­su­chung dich bewäh­ren.“ Ein merk­wür­di­ger Satz, für uns fast unver­ständ­lich. Weil du ange­nehm warst vor Gott, musste die Ver­su­chung dich bewäh­ren. 

Sämt­li­che Hei­li­gen unse­rer Kir­che haben Lei­den, unge­rechte Lei­den aus­zu­ste­hen gehabt. Je grö­ßer ein Hei­li­ger, um so mehr Lei­den hatte er. Es gibt kein siche­re­res Zei­chen für die Aus­er­wäh­lung, als wenn jemand bei einem from­men Leben Lei­den zu tra­gen hatte. 

Ohne Lei­den kommt nie­mand zur ewi­gen Glück­se­lig­keit. Der Herr hat es uns ja erklärt: „Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und mir nach­folgt, ist mei­ner nicht wert.“

Samstag, 13. September 2014

Der heil. Kirchenlehrer Johannes von Damaskus über den Antichrist

Man muß wissen, daß der Antichrist kommen muß. Nun ist zwar „jeder, der nicht bekennt, daß der Sohn Gottes im Fleische gekommen 1“ und vollkommener Gott ist und zum Gottsein hin vollkommener Mensch geworden, ein Antichrist (Widerchrist). Gleichwohl heißt besonders und vorzugsweise Antichrist der, der „am Ende der Welt 2“ kommt. 

Es muß also zuerst das Evangelium unter allen Völkern verkündet sein, wie der Herr sagt 3, und dann wird er kommen zur Überführung der gottesfeindlichen Juden. Sprach doch zu ihnen der Herr: „Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, aber ihr nehmt mich nicht an. Ein anderer kommt in seinem eigenen Namen, den werdet ihr annehmen 4.“ Und der Apostel: „Darum, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen, um gerettet zu werden. 

Und deshalb wird Gott ihnen wirkungsvollen Trug schicken, daß sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern an der Ungerechtigkeit Gefallen gehabt 5.“ 

Die Juden nahmen also den wirklichen Sohn Gottes, den Herrn Jesus Christus und Gott, nicht auf, den Betrüger 6 aber, der sich für Gott ausgibt, werden sie aufnehmen. 
Denn daß er sich Gott nennen wird, das sagt der Engel, der den Daniel belehrt, mit folgenden Worten: „Auf die Götter seiner Väter wird er nicht achten 7“, und der Apostel: „Niemand betöre euch auf irgendeine Weise, denn zuvor muß Abfall kommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit, der Sohn des Verderbens offenbar werden, der der Widersacher ist und sich über alles erhebt, was Gott heißt und göttlich verehrt wird, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt 8“ — in den Tempel Gottes, nicht den unsrigen, sondern den alten, den jüdischen 9.
(Anmerkung: Siehe auch über den geplanten dritten jüdischen Tempel: hier und hier.)

Denn nicht zu uns, sondern zu den Juden wird er kommen, nicht für Christus und die Christen, weshalb er auch Widerchrist (Antichrist) heißt.

Es muß also zuerst das Evangelium unter allen Völkern verkündet sein 10, und „alsdann wird offen hervortreten der Ruchlose, dessen Ankunft in Kraft des Satans erfolgt mit jeglicher Machttat und trügerischen Zeichen und Wundern 11, mit jedem Trug der Ungerechtigkeit für die, die verloren gehen, den der Herr töten wird mit dem Worte seines Mundes und zunichte machen durch seine Wiederkunft 12“. 
Nicht der Teufel selbst also wird Mensch nach Art der Menschwerdung des Herrn. Das sei ferne! Nein, ein Mensch wird aus Hurerei erzeugt und empfängt die ganze Wirksamkeit des Satans. Denn Gott, der die Verkehrtheit seines künftigen Willens vorausweiß, gestattet dem Teufel, in ihm zu wohnen.

Erzeugt also wird er, wie gesagt, aus Hurerei und in der Verborgenheit aufgezogen, und plötzlich steht er auf und erhebt sich und herrscht. Und im Anfang seiner Herrschaft oder vielmehr Gewaltherrschaft heuchelt er Heiligkeit. 
Wann er aber mächtig geworden, verfolgt er die Kirche Gottes 13 und offenbart seine ganze Schlechtigkeit. Er wird kommen „mit trügerischen Zeichen und Wundern 14“, erdichteten und nicht wirklichen, und die, deren Denken eine schwache, nicht starke Grundlage hat, täuschen und vom „lebendigen Gott 15“ abtrünnig machen, „so daß womöglich auch die Auserwählten irregeführt werden 16“.

1: Joh. 4, 2; 2 Joh. 7.
2: Matth. 13, 40. 49; vgl. 13, 39; 24, 3; 28, 20.
3: Ebd. [Matth.] 24, 14.
4: Joh. 5, 43.
5: 2 Thess. 2, 10 ff.
6: Vgl. 2 Joh. 7.
7: Dan. 11, 37.
8: 2 Thess. 2, 3 f.
9: Diese Auffassung begegnet uns bereits bei Irenäus (Adv. haer. V, 25, 2). Allein es ist hier weder der Tempel zu Jerusalem, noch die Kirche gemeint. Paulus will sagen, der Antichrist eigne sich alle Rechte Gottes, besonders sein Heiligtum, an. Dieses wird als Tempel bezeichnet, da es zur Zeit des Apostels eine andere öffentliche Kultstätte des wahren Gottes nicht gab. Als Vorlage diente Paulus allerdings Dan. 11, 36. Vgl. auch Dan. 11, 31 f. (Steinmann, Die Briefe an die Thessalonicher und Galater, übersetzt und erklärt, Bonn 1918, S. 51, Anm. zu 2 Thess. 2, 4).
10: Matth. 24, 14.
11: Lies τέρασι [terasi] statt πέρασι [perasi].
12: 2 Thess. 2, 8. 9 f. 8.
13: 1 Kor. 15, 9; Gal. 1, 13; 1 Kor. 10, 32; 11, 16. 22; 2 Kor. 1, 1; 1 Tim. 3, 5.
14: 2 Thess. 2, 9.
15: Matth. 16, 16; 26, 63; Röm. 9, 26; 2 Kor. 3, 3; 6, 16; 1 Thess. 1, 9; 1 Tim. 3, 15; 4, 10; Hebr. 3, 12; 9, 14; 10, 31; 12, 22; Off. 7, 2.
16: Matth. 24, 24.


Alles aus:
Johannes von Damaskus († 750) - Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens (Expositio fidei)
Viertes Buch

Freitag, 12. September 2014

Kokoserde statt Theologie von Papst Franziskus

Je länger man nicht mehr bloggt, desto weniger hat man Lust zum Bloggen. Man liest dann auch nicht mehr täglich bei Vaticaninsider oder Radio Vatikan, wie hervorragend Papst Franziskus mit den extrem anti-katholischen Vereinten Nationen (UN) zusammenarbeitet und alle ihre „Millenniums“-Themen abarbeitet, mehr oder weniger offensichtlich nur mit den Worten „Jesus“ oder "Evangelium" gemischt. 
Man erfährt dann an sich selbst, dass zutrifft, was schon vor einiger Zeit ein Kommentator in einem englischsprachigen Blog schrieb: „Wenn man sich nicht mit dem beschäftigt, was Papst Franziskus alles sagt, kann man sehr gut katholisch leben.“

Zudem weiß ich mittlerweile über die Hintergründe der Kirchenkrise nie dagewesenen Ausmaßes zu viel, was zum einen enorm deprimiert und zum anderen die Auswahl des Post-Themas erschwert. Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Im Garten zu arbeiten, hingegen ist keine Qual, sondern nur Freude, da die Blumen und die Geschöpfe immer von Gott predigen. Mit Gartenarbeit habe ich mich in den letzten Wochen daher ausgiebig beschäftigt. 
Das einzige Problem in unserem Garten (neben dem sonst sehr niedlichen täglichen Katzenbesuch, der sich leider auf das Fangen von Libellen und Wasserfröschen spezialisiert hat) ist der extrem schwere Lehmboden. 

Wer auch damit zu kämpfen hat, dem sei Kokoserde empfohlen. Ich habe diesen Bodenhilfsstoff erst vor kurzem entdeckt und bin begeistert. Die schwer verrottbaren Fasern sorgen für lang anhaltende Lockerung des Bodens und erleichtern so den Pflanzen die Durchwurzelung ansonsten kaum durchdringbaren Bodens. Man kann das Ergebnis schon nach wenigen Tagen sehen. 
Das Produkt gibt es gedüngt erhältlich unter dem schönen New-Age-Titel „Magischer Erdenzauber“ oder auch ungedüngt gepresst (einfach bei Amazon gucken). 

Als ich noch sehr jung war, hing über meinem Bett der angeblich chinesische Spruch, ausgeschnitten aus einem Journal für junge Frauen, das, wenn man die besonders heutzutage dort gegebenen Ratschläge betrachtet, besser "Feindin" hieße: 
"Wer einen Tag lang glücklich werden will, der schlachte ein Schwein, wer ein Jahr glücklich sein will, der heirate. Wer ein Leben lang glücklich sein will, der werde Gärtner."
Damals war ich noch arme protestantische Agnostikerin und konnte daher nicht den Hauptirrtum in dem Spruch erkennen, nämlich, dass der dreifaltige Gott, der allein den nach seinem Bilde geschaffenen Menschen glücklich machen kann, darin gar nicht vorkommt, sondern nur die Geschöpfe.
Ich fürchte allerdings, dass ich mit dem immer gültigen und schönen Satz des heiligen Augustinus: 
„Auf Dich hin hast Du uns geschaffen, oh Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in Dir.“ damals noch nicht viel hätte anfangen können. 

Auf jeden Fall immer richtig ist der leicht verständliche Spruch: 
Wer sein Leben lang glücklich werden will, der werde katholisch.“ 
Am glücklichsten ist man als Katholik natürlich, wenn die Hierarchie auch 100% katholisch denkt und handelt. Das ist in Rom schon länger und ganz besonders heutzutage, Gott sei es geklagt, nicht der Fall. 
Dort hat man u. a. zu viel unbarmherziges Verständnis für solche Eheleute, die fälschlich meinen, Liebe sei ein Glücks-Gefühl, das ihnen, wie in dem chinesischen Spruch suggeriert, abhanden kommen kann, worauf man das Glücksspiel als "wiederverheirateter Geschiedener" (modernistische Bezeichnung für eine besonders schwere Form des Ehebruchs) neu versuchen kann.

Echte katholische Barmherzigkeit wäre, solche Eheleute zu belehren, 
Wobei ich dann doch wieder bei Papst Franziskus und seiner Theologie angekommen bin, die, wie bei seinem Lehrer Lucio Gera, einem Befreiungstheologen, aus der Pastoral erwächst: "... bei mir erwächst die Theologie aus der Pastoral"
Diesen Artikel hat auch Kardinal Lehmann empfohlen und fügt hinzu
"Es ist noch der Hinweis nützlich, dass Kardinal Bergoglio im Jahr 2012, als sein Lehrer Lucio Gera starb, ihn in der Krypta des Domes in Buenos Aires beerdigen ließ, obwohl er nicht Bischof und nicht Mitglied des Domkapitels war. Über sein Grab ließ Kardinal Bergoglio nur schreiben: „Maestro en teologia"."
(Anmerk: Letzteres heißt "Meister der Theologie".)

Laut Fundamentaltheologie erwächst die Theologie, also die Wissenschaft von Gott, aus der Offenbarung, erst im Alten Bund und dann im Neuen Bund, aber das ist heute endgültig out. 
Papst Franziskus selbst findet, Fundamentaltheologie gehört zu den langweiligsten Dingen auf dieser Erde, glaubt man, dass Papst Franziskus diesen Tweet auch so gemeint hat, woran ich nach über 18 Monaten Pontifikat leider keinen Zweifel mehr habe.

Guckt man nach Lateinamerika, laut Kardinal Lehman der Kontinent im Aufbruch,  und auf die bisherigen Ergebnisse dieses Pontifikates, erkennt man, dass die Übersetzung von „bei mir erwächst die Theologie aus der Pastoral", in etwa heißt: 
je nachdem welche Bauchwünsche die Leute gerade haben, eine solche Theologie schnitze ich ihnen. Oder ganz dumpf: je prolliger die Leute, desto prolliger das Gottesbild und die Moral. 
Man wird sofort an 2. Tim.4:3-4 erinnert.

Der zweite Lehrer von Kardinal Bergoglio, Rahner-Schüler P. Scannone SJ, Erfinder der argentinischen Spielart der Befreiungstheologie, der "Theologie des Volkes", erklärt hier auf Deutsch im Video (mit Krawatte), was ihre Definition von "Volksfrömmigkeit" ist: 
Laien haben in Lateinamerika die Volksfrömmigkeit entwickelt, im Lichte des Evangeliums, aber ohne Beihilfe des Klerus.“

Das deckt sich mit dem Buch, das ich mir von P. Scannone vor über einem Jahr besorgt habe, als ich das erste Mal erfuhr, dass er der hoch geschätzte Lehrer von Kardinal Bergoglio ist.

Sein Buch ist de facto eine Anleitung dazu, wie man aus katholischen Gesellschaften heidnische macht, alles unter dem Deckmäntelchen der „Volksfrömmigkeit“. Seitdem wundert mich nicht mehr, wie es kommt, dass Katholiken in Südamerika immer öfter zu „Santa Muerte“ beten, und in Scharen zu Allerheiligen Essen und Trinken zu ihren Toten auf die Gräber bringen. In der Definition von P. Scannone SJ „evangelisiert sich das Volk selbst und das führt dann zur Volksfrömmigkeit ohne Beihilfe des Klerus
.
Der Klerus hilft bei dem ganzen allerdings schon mit, nämlich indem er dem neuheidnischen Treiben zusieht und schweigt.

An anderer Stelle sprach sich Papstlehrer P. Scannone SJ für eingetragene „Homo“-Partnerschaften in der „post-modernen Gesellschaft
 aus.

Meine Familie und ich haben Jahrzehnte in dem Denk- und Handlungssystem des de facto Heidentums mit seiner grauenhaften Unmoral und seinen entsetzlichen zerstörerischen Auswirkungen auf den Einzelnen und auf die Gesellschaft verbracht und sind seit einigen Jahren jeden Tag aufs Neue überglücklich, endlich die klaren Richtlinien und die Logik des katholischen Glaubens als Lebensanleitung für ein glückliches Leben im Diesseits und vor allem für eine glückliche Ewigkeit zur Verfügung zu haben. 
Wir stehen fassungslos davor, wie man als katholischer Priester offensichtliche Anstrengungen unternehmen kann, die Leute de facto wieder in die Unmoral des Heidentums zurückzuführen und das alles auch noch als „Barmherzigkeit“ und „Volksfrömmigkeit“ verpackt.

Siehe auch:
Mehr über P. Scannone SJ hier.
und



Samstag, 16. August 2014

Über das beharrliche Gebet

Der heil. Joachim hat durch beständiges Bitten und Flehen Erhörung gefunden; ein Zeichen für dich, christliche Seele, dass auch du in all deinen Anliegen beharrlich, d. h. ausdauernd bitten und nicht nachlassen sollst, wie der göttliche Heiland sagt. 
Du wirst vielleicht schon um manche Gnade zu Gott gefleht, auch die Mutter Gottes und andere Heilige um ihre Fürbitte angerufen und doch keine Erhörung gefunden haben. Wo fehlt es nun? Hat ja doch Jesus Christus gesagt: „Jeder, der bittet, wird empfangen."

An Gott fehlt es nicht, denn Er erhört das rechtschaffene Gebet immer, aber nicht immer so, wie es der Mensch gerade verlangt. Gott weiß, was dem Menschen gut und nützlich ist; ganz besonders aber hat Gott das Heil der Seele im Auge. 
Nun kann es sein, und es geschieht auch oft, dass du um etwas bittest, das deinem Seelenheil schädlich ist, oder doch dem Heile deiner Seele nicht nützlich; deshalb will dich Gott hierin nicht erhören, sondern gibt dir etwas für dich Besseres. 

Leer kehrt dein Gebet, wenn es rechtschaffen ist, niemals von Gottes Thron zurück; es bringt dir jedesmal eine Gabe mit. Dafür aber muss nun dein Gebet auch beharrlich sein. 
Eben hierin fehlt es bei gar vielen Menschen. Sie bitten und stehen, aber nicht ausdauernd, sie lassen, wenn sie nicht gleich Erhörung finden, im Gebete nach, werden mißmutig und verzagt und finden so keine Erhörung. Im Evangelium ermahnt uns Jesus zu beten mit diesen Worten: ,,Bittet und ihr werdet empfangen; suchet und ihr werdet finden; klopfet an und es wird euch aufgetan.

Es könnte scheinen, sagt der heilige Alphons von Liguori, als wäre es genug, wenn er sagte: Bittet; warum setzt er denn noch hinzu: suchet und klopfet an? 
Es war das keineswegs überflüssig: durch die Beifügung desselben wollte der göttliche Heiland uns deutlich machen, dass wir so ungestüm wie Bettler sein müssen, die sich nicht abweisen lassen und fort und fort bitten und klopfen, bis sie gehört werden und Almosen empfangen. 

So will also der Herr dass auch wir tun: dass wir bitten und immer wieder aufs Neue bitten: Er möge uns beistehen, möge seine Hand über uns halten, möge uns seine guten Gaben geben. Sobald du aufhörst zu beten, wendet sich Gottes Hand von dir weg und was bist, was vermagst du denn ohne Hilfe des Herrn? 

Lass also nicht ab vom Gebete und sei versichert, dass du, wenn du mit Vertrauen und Ergebung im Namen Jesus beharrlich bittest und flehst, gewiss Erhörung findest, denn also hat Jesus gesagt:
„Was ihr immer im Gebete begehret, glaubet nur, dass ihr es erhaltet, so wird es euch werden." (Mark. 11,24)
Gebet. O Herr Jesus, lehre mich doch beten, wie du es verlangst und gib mir die Gnade, dass ich in all meinen Nöten, Versuchungen und Gefahren immer sogleich zu dir meine Zuflucht nehme, der du mein Helfer und Erretter bist. Amen.
Aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858


Der heilige Joachim, Vater der allerseligsten Jungfrau Maria.


Heute ist sein Fest im traditionellen Kalender.

Man würde vielleicht sich mit Recht wundern, dass die heiligen Evangelisten gar nichts vom heiligen Joachim berichtet haben, wenn nicht der heilige Geist selbst im 11ten Kapitel des Predigers sagt, dass man einen Vater nicht besser erkennen könnte, als aus seinen Kindern und das Wohlverhalten des Sohnes zum Lobe des Vaters gereiche. 

Es war also nicht gerade notwendig, dass in den heiligen Evangelien von dem frommen Leben dieses heiligen Vaters weitläufig erzählt werde, sondern es ist zu seiner Ehre schon genug gesagt, dass er der Vater der heiligen Mutter Gottes und dem Fleische nach Großvater des göttlichen Heilandes gewesen.

Übrigens sagt uns die Überlieferung, dass Joachim, aus dem königlichen Geschlechte Davids stammte und mit seiner Ehegattin, der frommen Anna, zuerst in Bethlehem lebte. Herodes, König von Juda, ein Idumäer, fürchtete die Nachkommen Davids, und suchte sie aus dem Wege zu räumen, um sich auf dem Thron zu erhalten, zu dem er kein Recht hatte. 
Joachim zog also mit seiner Gemahlin, um dem grausamen Wüterich zu entgehen, in das Grenzland Galiläa nach Nazareth. Dort lebten sie zurückgezogen, arm und unbekannt.
Sie waren schon im hohen Alter und hatten kein Kind. Dies schmerzte sie, denn bei den Juden galt eine kinderlose Ehe als eine Schande.
Sie ergaben sich aber in Gottes Willen und suchten sich das Wohlgefallen Gottes durch ein tugendhaftes Leben zu gewinnen und durch anhaltendes, demütiges Gebet von Gott die Geburt eines Kindes zu erlangen. 

Jedoch ließ Gott bis in ihr hohes Alter ihr Gebet unerhört, er wollte ihr Vertrauen und ihre Geduld prüfen. Sie sollten ja das heiligste Kind, die unbefleckte Jungfrau und Mutter des Erlösers erzeugen und erziehen, darum sollten sie erkennen, dass 
dieses Kind ein reines Geschenk des Himmels sei.

Endlich, nachdem beide fromme Ehegatten das Gelübde gemacht, das Kind, welches ihnen Gott schenken werde, ganz seinem Dienste zu weihen, und nachdem der heil. Joachim insbesondere noch vierzig Tage in der Einsamkeit zugebracht und unter Gebet und Fasten zu Gott gefleht hatte, dass er von ihm und seiner Gattin die Schmach der Unfruchtbarkeit nehmen und ihnen ein Kind schenken möchte, erhörte Gott ihre Bitte. Ein Engel verkündigte ihnen, dass sie eine Tochter erhalten werden, der sie den Namen Maria geben sollten. 
Und wirklich gebar Anna nach einiger Zeit ihre Tochter, den Trost Israels, die Freude der ganzen Welt. Sie gaben ihr Maria, das heißt „die Herrin" oder „der Stern des Meeres."

Eingedenk ihres Gelübdes weihten sie ihr Kind ganz dem Herrn und übergaben es nach drei Jahren ihrem Verwandten, dem Priester Zacharias, dass er es in den Tempel bringe und dort zum Dienste des Allerhöchsten erziehen lasse.

Die Trennung von ihrem geliebten Kinde kam die frommen Eltern wohl hart an, aber sie brachten mit Freuden Gott ihr Liebstes zum Opfer, denn sie wussten ja, dass ihr Kind die Braut des heiligen Geistes, die Mutter des Erlösers werden sollte. 

Wahrend nun Maria im Tempel erzogen wurde, rief Gott den frommen Vater Joachim zu sich, nachdem er Maria, die holde Morgenröte, der auf den Erlöser harrenden Menschheit gegeben und so vollbracht hatte, was sein Name,, Joachim "bedeutet, nämlich „Vorbereitung." Er hat dem Sohne Gottes den Weg zu seiner Menschwerdung und Geburt aus Maria, seiner geliebten Tochter, vorbereitet.

Wenn du, christliche Seele, Maria liebst und ehrst, wirst du auch ihren Vater lieben und ehren!

Aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858

Siehe auch:
Mariä Darstellung im Tempel (Mariä Opferung)
und
Die heilige Anna, Mutter der allersel. Jungfrau Maria


Freitag, 15. August 2014

Betrachtung für das Fest Mariä Himmelfahrt

1. Die allerseligste Jungfrau Maria starb ohne Schmerzen, ohne Furcht mit unaussprechlicher Freude mit heißem Verlangen, ihren göttlichen Sohn zu sehen, glühende Liebe zu Jesus war es, die sie verzehrte.

Auch wir werden sterben: aber wie wird unser Tod beschaffen sein? Werden wir in Furcht und Ängsten sterben? Wenn wir uns jetzt ernstlich bemühen, die Tugenden der allerseligsten Jungfrau in unserem Leben nachzuahmen, so wird auch unser Tod sanft und ruhig sein. Bitten wir sie auch recht oft, dass sie uns die Gnade einer seligen Sterbestunde erflehen möge, die Christus keinem Seiner treuen Diener versagen wird. Und rufen wir besonders im letzten Kampfe vertrauensvoll an!


2. Maria, die allerseligste Jungfrau ward in den Himmel aufgenommen: und auch ihr Leib wurde nicht im Grab die Beute der Verwesung, sondern zugleich mit der Seele im Himmel verherrlicht und gekrönt. 


Auch unser Leib wird einst auferstehen, aber werden wir zur ewigen Herrlichkeit oder zur ewigen Strafe aufstehen? Wir wissen es zwar nicht, aber wir dürfen zuversichtlich hoffen, dass die ewige Herrlichkeit auf uns wartet, wenn wir treue Diener Mariä sind, denn kein Schützling Mariä geht auf ewig verloren.
Deckenmosaik der ältesten Marienkirche Roms:
Santa Maria in Trastevere
Die allerseligste Jungfrau sitzt zur Rechten ihres göttlichen Sohnes
Quelle
3. Als Himmelskönigin zieht Maria mit großer Herrlichkeit in den Himmel ein: die Engel eilen ihr jubelnd entgegen, der ewige Vater nimmt sie auf als seine Tochter, der Sohn als seine Mutter und der Heilige Geist als seine Braut. Sie wurde über alle Chöre der Engel erhoben und zur Rechten ihres göttlichen Sohnes auf den himmlischen Thron gesetzt. Dort ist sie nun unsere beständige Vermittlerin und Fürsprecherin. 

Fassen wir demnach Mut, denn durch die Fürbitte Mariä können wir alles erlangen. Sie ist die Mutter der Gnade und Erbarmung, die Mutter unseres Richters, sie wird uns schützen und helfen.
Doch was habe ich bis jetzt getan, um mir das Wohlgefallen Mariä zu erwerben? Welchen Dienst habe ich ihr bis jetzt geleistet, um ihre Gunst und ihren Schutz
* zu verdienen?
Aus: Heiligen-Legende von Dr. Friedrich Hense, Herder, Imprimatur 1911


*Und was verlangt sie, damit sie uns Schutz angedeihen lasse? Darauf gibt Antwort der eifrigste Diener Mariens, der heilige Alphons Liguori: „Maria verlangt, dass wir ihr wahrhaft dienen!" Ein wahrer Diener Mariens aber ist vor allem ein treuer Diener Jesu, den er liebt, und dessen Stimme er hört. 
Ein wahrer Diener Mariens verehrt und liebt sie und sucht ihr nachzufolgen; er hasst die Sünde, und hat er das Unglück in eine Sünde zu fallen, so ruft er zu Maria um Hilfe, und sucht sich von seinem Falle zu erheben. 
Ein solch wahrer, treuer Diener Mariens kann nimmermehr zu Grunde gehen, die mächtige Himmelskönigin wird ihn retten. — Willst du nicht ein Diener dieser gütigen und mächtigen Königin sein?
Aus: Legende von den lieben Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet und herausgegeben. Stadtpfr. Georg Ott, mit oberhirtlicher Gutheißung, Verlag F. Pustet, 1858

Siehe auch:
Die wahre Marienverehrung, erklärt vom hl. Alphons von Liguori
und
Maria - Mediatrix, Mittlerin aller Gnaden





Vielen Kleinen verschließen die Eltern die Türe zum Himmelreich durch schlechte Erziehung

Vom heil. Papst Gregor der Grosse, Kirchenvater († 604) Vier Bücher Dialoge (Dialogi de vita et miraculis patrum Italicorum)
Viertes Buch

XVIII. Kapitel: 

Vielen Kleinen verschließen die Eltern die Türe zum Himmelreich, indem sie sie schlecht erziehen. Von einem Knaben, der Gott lästerte

Obwohl man glauben muss, dass alle getauften Kinder, die in ihrer Kindheit sterben, in das Himmelreich eingehen, so gilt dies doch nicht von allen jenen Kindern, die schon reden können. 
Denn einigen Kindern verschließen die Eltern die Himmelstüre, indem sie sie schlecht erziehen. 

So hatte vor drei Jahren ein Mann, den hier die ganze Stadt kannte, ein Söhnchen, das nach meiner Schätzung fünf Jahre alt war. Der Vater liebte es fleischlich zu sehr und verzog es dadurch. Dieser Knabe nun hatte - es ist hart, dies zu sagen - die Gewohnheit, gegen Gottes Majestät zu lästern, sobald sich etwas seinem Willen entgegensetzte. 
Bei dem großen Sterben, das vor drei Jahren hier herrschte, wurde auch er auf den Tod krank. Wie ihn nun sein Vater in den Armen hielt, sah der Knabe nach dem Zeugnis derjenigen, die dabei zugegen waren, mit zuckenden Augenlidern böse Geister auf sich zukommen und fing zu schreien an: „Halte sie ab, Vater! Halte sie ab, Vater!” Laut schreiend wandte er sein Gesicht ab, um sich vor ihnen am Busen des Vaters zu verbergen. 
Dieser fragte den zitternden Knaben, was er denn sehe, worauf er antwortete: „Mohren sind gekommen und wollen mich forttragen.” Kaum hatte er dies gesagt, lästerte er den Namen der göttlichen Majestät und gab seinen Geist auf. 

Um nämlich die Schuld, um derentwillen er solchen Henkern ausgeliefert wurde, offenbar zu machen, ließ der allmächtige Gott im Augenblick des Todes zu, dass er die Sünde wieder begehe, die sein Vater ihm bei Lebzeiten nicht abstellen wollte, und es sollte der Knabe, der lange mit Gottes Geduld in seinem Leben gelästert hatte, nun noch einmal nach Gottes Gericht fluchen und darauf sterben. 
Der Vater sollte dadurch auch zur Erkenntnis seiner Schuld gelangen, die darin bestand, dass er sich um die Seele des Kindes nicht kümmerte und einen nicht eben kleinen Sünder für das Feuer der Hölle heranzog.

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